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Folge #038 · 04.02.2026 · 30 Min.

Digitale Energiewende mit Sina von Ketelhodt: Wie die Mainova Innovationen wie dynamische Stromtarife digital und kundenzentriert skaliert

In dieser Folge spricht Heike Löffler mit Sina von Ketelhodt darüber, wie die Mainova AG die Energiewende durch konsequente Digitalisierung vorantreibt und wie aus abstrakten Daten konkrete Mehrwerte für unterschiedliche Kundengruppen entstehen.

Im Gespräch geht es um den Wandel vom klassischen Versorger zum digitalen Energiedienstleister, bei dem der Kunde im Mittelpunkt steht, um aktiv an der Klimaneutralität mitzuwirken. Anhand von pointierten Personas erklärt Sina, wie passgenaue Angebote entwickelt werden und warum ein MVP-Ansatz mit „Friendly User Groups“ bei kritischer Infrastruktur essenziell ist, um Risiken zu minimieren. Es wird deutlich, wie Kooperationen mit Tech-Größen wie SAP oder Microsoft auf Augenhöhe funktionieren und wie Innovationen wie der dynamische Stromtarif den Sprung vom Nischenprodukt zur skalierbaren Massenanwendung schaffen. Zudem gibt Sina Einblicke in den pragmatischen Einsatz von KI mit einem „Human-in-the-Loop“-Ansatz zur Optimierung der Kundenansprache und Usability. Abschließend blickt sie auf die größte Disruption der Branche und plädiert für mehr Mut zum unperfekten Marktstart, um das Innovationspotenzial der Ingenieursbranche voll auszuschöpfen.

Über den Gast 

Sina von Ketelhodt gestaltet als Senior Vice President Vertrieb, Steuerung und Digitalisierung bei der Mainova AG die Energiewelt von morgen und treibt die Transformation hin zur Klimaneutralität 2040 voran. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Energiebranche verbindet sie technologisches Verständnis mit einer klaren Vision für neue Geschäftsmodelle und nachhaltige Kundenlösungen.

Transkript

immer noch früher testen, schneller an den Markt gehen, sich Feedback einholen. Ich glaube, man bleibt viel zu sehr so in seiner Bubble, in seiner Box und dadurch vergeht Zeit und auch Budget. Ich glaube, das ist der Tipp, einfach noch mutiger zu werden und früher an den Markt zu gehen. Also 80/20 für die Energiewirtschaft macht schon auch total viel Sinn, gerade was die innovativen Themen angeht. Das ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Liebe Hörerinnen und Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Return on Innovation. Ja, und wenn wir auf den Jahresstart schauen, Handelsblatt Energiekonferenz, E-World im Februar, es dreht sich alles rund um das Thema Energie und umso mehr freue ich mich heute, Sina von Ketelhodt bei uns zu Gast zu haben. Sie ist Senior Vice President Vertrieb, Steuerung und Digitalisierung bei der Mainova AG. Und ja, Sina, schön, dass du heute hier bist und vielleicht stellst du dich am Anfang gleich selber mal vor und sagst, was du so machst bei der Mainova. Ja, vielen Dank, Heike. Ich bin seit über 20 Jahren in der Energiebranche tätig und habe die erneuerbaren Welten mitgestaltet, aber auch das Unbundling mit umgesetzt. Und ich habe schon immer ein Faible für Innovationen, Digitalisierung, neue Wege gehen und neue Lösungsansätze finden. Nachhaltigkeit ist für mich auch als Mutter von drei Kindern ein Muss und eine Selbstverständlichkeit. Daher stehe ich für die innovativen Themen wie Kundenzentrierung, klare, wirkungsvolle Kommunikation und alles, was neu ist. Ja, und du hast es eben schon angesprochen, das Thema Klimaneutralität beschäftigt uns beide natürlich nicht nur persönlich, sondern es ist die große Agenda bei euch in der Strategie. Bis 2040 wollt ihr klimaneutral sein. Hol uns doch mal ab, was genau ja der Inhalt dieser Strategie ist und vor allen Dingen auch, was Digitalisierung da für eine Rolle spielt. Wir wollen den Kunden schlau machen, denn wir verfügen in der Energiewirtschaft über einen großen Hebel für eine lebenswerte und innovative Zukunft. Wir sorgen dafür, dass das Licht angeht, dass die Elektroautos fahren, dass die Industrie produzieren kann und dass die Wirtschaft läuft. Und das im Einklang mit unserer Umwelt. Und dafür brauchen wir den Kunden, denn nur der schlaue Kunde kann die grüne Energie bewusst nutzen und damit aktiv zur Energiewende mitgestalten. Und da ist Digitalisierung ein riesiger Hebel, weil eben der Kunde dafür einiges wissen muss. Bevor wir noch mal genauer einsteigen auf das Thema Kunden und wie ihr mit Kunden arbeitet, hol uns noch mal ab, was sich genau hinter der Vertriebs- und ja, ich glaube, Serviceplattform ja auch verbirgt, die ihr aktuell baut für eure Kunden. Ja, genau. Wir sind gerade mitten in der Transformation, sowohl unser Abrechnungssystem, also unser Backend, als auch unser Frontend, unsere Sales- und Serviceplattform, bauen wir völlig neu auf. Und da ist uns am Frontend besonders wichtig, dass wir dort sehr differenzierend unterwegs sind, damit wir eben auf diese unterschiedlichen Kundenbedürfnisse auch eingehen können. Und von daher geht's zur Angebotsstrecke, zur Informationen, die man über unsere Produkte und Tarife finden kann, aber auch den Abschluss selber, bis dann zum Selfservice oder auch der eigenen Abrechnung, ist alles bei uns auf der Sales- und Serviceplattform vertreten. Das heißt, die Plattform ist schon live, ja, und ihr habt schon verschiedene Use Cases da drauf. Also welche Dinge funktionieren schon oder was ist vielleicht noch eher Zukunftsmusik? Du sagst es genau richtig, die Plattform ist live und da funktioniert auch schon einiges drauf. Alles funktioniert nicht, denn wir sind ja auch mittendrin im Umbau des Energiesystems. Also wir können natürlich die klassischen Dinge schon abbilden, einen Stromtarif kaufen, die Abrechnung online einsehen. Was wir jetzt neu an den Markt gebracht haben, ist den dynamischen Stromtarif. Dort ist es ja so, dass man ähnlich wie an der Börse, an der Energiebörse, den besten Energiepreis einkauft, 15-minütig. Dazu braucht man einen Smart Meter und wenn man das hat, kann man das auch bei uns auf der Sales- und Serviceplattform sozusagen abschließen und dann auch einsehen und dann auch über unsere App entsprechend orchestrieren. Das funktioniert schon, aber jetzt auch noch nicht flächendeckend, denn dafür müsste der Smart Meter Rollout flächendeckend in Deutschland auch schon erfolgt sein. Und da sind wir halt auch noch mittendrin. Also von daher, wir haben schon viele Use Cases umgesetzt, einiges sind wir noch mittendrin und es werden noch viele neue Themen kommen, die wir dann dort auch noch einbauen. Wenn du sagst, ihr habt schon einiges umgesetzt, aber es kommt auch noch was, nach welchen Kriterien priorisiert ihr denn, was ihr als Erstes macht, ne? Weil die die Themen, die alle vor der Brust haben, sind groß, ja, und man kann viele Dinge digitalisieren, aber wie setzt ihr die Prioritäten? Was für uns wichtig ist, ist einmal Kundennutzen. Macht es für den Kunden Sinn? Ist es entweder sehr viel nach

altiger oder ist es sehr viel Preis effektiver, sage ich mal, und können wir es auch wirklich gut umsetzen? Denn das ist uns auch wichtig, dass die Dinge funktionieren. Die Energiewirtschaft ist sehr komplex und da müssen viele kleine Zahnrädchen gut ineinandergreifen, damit es funktioniert. Und es funktioniert auch nicht immer und deswegen ist es uns wichtig, dass wenn wir neue Dinge an den Markt bringen, dass wir es verproben. Und das machen wir auch mit sogenannten Friendly User Groups, damit wir dann ein Gespür dafür bekommen, was ist auch wirklich umsetzbar, was ist dann auch skalierbar und was hat für den Kunden den größten Wert.

Heike LöfflerUnd jetzt reden wir hier so locker über Plattformen und wir bauen eine Plattform, aber man muss ja intern auch dafür aufgestellt sein, ne? Also, die Frage ist so ein bisschen, wie habt ihr euch intern organisiert, um solche Dinge rund um Digitalisierung, rund um Innovationen zu treiben?

Sina von KetelhodtJa, wir haben ein großes Programm aufgesetzt, was die Menschen aus der IT, aus den Vertrieben, aus der Vertriebssteuerung befähigt, sich zu überlegen aus Kundensicht heraus, was sind die Bedürfnisse und die Notwendigkeiten. Und diese verschiedenen Disziplinen werden in einem Programm zusammengeführt und dort entwickeln wir User Stories, wir gucken uns die Touchpoints an, die der Kunde mit uns hat und optimieren das kontinuierlich. Das machen wir natürlich auch mit Partnern. Gerade technologisch gehen wir da ganz nah auch an die großen Technologiepartner und ist natürlich das Thema Datenschutz sehr wichtig. Wir sind eine kritische Infrastruktur. Da arbeiten wir auf jeden Fall auch mit den großen Partnern zusammen, denn ohne die geht es auch nicht. Und wir sind ein Energieversorger, wir sind keine IT-Bude, auch wenn wir uns vielleicht in diese Richtung leicht bewegen, aber da ist es uns wichtig, mit den großen Partnern zusammenzuarbeiten.

Heike LöfflerKannst du uns da noch mal mitnehmen, also an welcher Stelle ihr euch da große Partner mit an Bord genommen habt für welche Themen?

Sina von KetelhodtJa, also natürlich ist Microsoft ein Partner, wie er fast ja eigentlich bei jedem ein Partner ist. Jetzt sind wir beim Abrechnungssystem mit SAP unterwegs und unsere Kundenschnittstelle wird zum großen Teil mit Salesforce gemacht. Also das sind so drei große Partner von uns und ich glaube, ja, das ist auch so ein Stück weit State of the Art in der Energiewirtschaft. Was uns halt wichtig ist, ist, dass die Verzahnung gut funktioniert und dass wir auch die individuellen Bedürfnisse, die wir haben, da dann auch noch mal berücksichtigen können. Deswegen, wir setzen nicht auf einen großen Partner, wir schauen auch, dass wir das Know-how und auch die Kundenschnittstelle bei uns in der Hand halten, denn da müssen wir schon schauen, auch was das Thema Weiterentwicklung angeht, weil wir haben das Energie-Know-how, dass auch bei uns bleibt und dass der Zugang zum Kunden auch bei uns bleibt.

Heike LöfflerWie funktioniert da genau die Zusammenarbeit, weil es sind ja wirklich große Partner, die du gerade genannt hast, ne? Also, habt ihr da trotzdem so eine Art von Co-Creation-Modus gefunden oder wie müssen wir uns das vorstellen?

Sina von KetelhodtUns ist wichtig, dass wir eine Partnerschaft auf Augenhöhe haben. Ich glaube, wir haben uns lange damit beschäftigt, was unser Zielbild ist, wo wir gemeinsam hinwollen und dann wer welche Kompetenzen mit an den Tisch bringen kann. Diese klassische oder alte Welt, Auftraggeber-Auftragnehmer, ist schon längst vorbei. Für uns ist wichtig, dass wir wirklich Partner auf Augenhöhe sind und dass wir auch einen realistischen Blick auf uns haben, aber auch auf unsere Leistungsfähigkeit. Das gilt für uns, das gilt auch für die Partner und da sind wir im engen Dialog, deswegen Co-Creation kann man vielleicht so sagen. Was uns aber wichtig ist, dass wir sehr stark auf Standards setzen. Also gerade was das Thema Abrechnung angeht, da versuchen wir schon maximal zu standardisieren und das ist auch für uns als Organisation eine Riesenherausforderung, dass wir versuchen, die Sachen simpler zu machen. Und da halt auch einen Realismus an den Tag zu legen und dann den Partner auch aufzufordern, um zu sagen: "Hey, challengt uns an der einen oder anderen Stelle. Wir challengen euch auch dafür, wenn es doch nicht so schnell geht wie versprochen oder wenn wir doch nicht so standardisiert sind wie versprochen." Also Stichwort Produktbereinigung oder Datenbereinigung ist natürlich gerade bei so einem langjährigen Energieversorger ein großes Thema, auf das wir achten und wo wir dann auch unseren Partner bitten, uns da noch mal extra zu challengen. Also ich würde sagen, das Thema Augenhöhe ist ein ganz wichtiges für uns, sodass wir da mit wirklich hohem Realismus unsere Projekte und Programme durchsteuern können.

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