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Folge #037 · 28.01.2026 · 24 Min.

Lösen auf Knopfdruck mit Dr. Ingrid Sebald: Wie tesa mit „Debonding on Demand“ Recycling ermöglicht und Prozessinnovation im Industriekonzern schafft

In dieser Folge spricht Anne Schlösser mit Dr. Ingrid Sebald darüber, wie sich tesa vom bekannten Hersteller für Bürobedarf zum globalen Hochtechnologie-Partner für die Industrie gewandelt hat und warum innovative Klebelösungen heute entscheidend für die Automobil- und Elektronikbranche sind.

Im Gespräch räumt Ingrid mit dem Klischee der einfachen Rolle Klebefilm auf und zeigt, wie tesa heute als „Hidden Champion“ in Smartphones, Elektroautos und sogar Tiefseekabeln steckt. Anhand eines konkreten Use-Cases mit Porsche wird deutlich, wie Innovation durch enge Kundenkollaboration und agile Sprints entsteht: Hier ersetzten automatisierte Klebe-Pads körperlich belastende manuelle Prozesse im Karosseriebau, was nicht nur die Arbeitssicherheit massiv erhöht, sondern auch Effizienz und Automatisierung vorantreibt. Ein zentrales Thema der Folge ist die Disruption durch Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Ingrid erklärt das zukunftsweisende Konzept von „Debonding on Demand“ – intelligentes Kleben, das sich durch Trigger wie Wärme oder Strom wieder löst, um Recycling und Reparatur möglich zu machen. Zudem gibt sie Einblicke, wie tesa Generative KI nutzt, um Simulationen von Kundenanforderungen von zwei Wochen auf 30 Minuten zu verkürzen, und warum der Wille zum schnellen Lernen die wichtigste Zutat für erfolgreiches Wachstum ist.

Über den Gast Dr. Ingrid Sebald ist Chief Technology Officer bei tesa und verantwortet dort die technologische Ausrichtung sowie die globale Innovationsstrategie. Mit einem Team von rund 700 Entwickler:innen arbeitet sie an der Schnittstelle von Technologie und Marktbedürfnissen, um über 100 neue Produkte pro Jahr zu realisieren. Die promovierte Chemikerin verfügt über weitreichende internationale Erfahrung in Nordamerika, Europa und Asien und treibt ihre interkulturellen Teams an, den Status quo stetig zu hinterfragen und technologische Grenzen zu verschieben, um das Unbekannte in messbares Geschäftswachstum zu verwandeln.

Transkript

Dr. Ingrid SebaldMomentan ist ein extrem gutes Umfeld für Innovation und ist vielleicht eine komische Botschaft, weil man hört ja überall von Krisen und Schwierigkeiten und eigentlich mehr von den negativen Nachrichten in der Welt, aber tatsächlich sind es genau die Veränderungen, die ganz ganz viel Raum für Innovation lassen.

Anne SchlösserDas ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Liebe Hörerinnen und Hörer, bevor es reingeht in die nächste Folge, ein kleiner Werbeaufruf in eigener Sache. Wenn euch unser Podcast gefällt, freuen wir uns sehr, wenn ihr uns fünf Sterne hinterlasst und auf Spotify folgt. Das hilft uns nämlich, die Sichtbarkeit zu erhöhen und vor allem damit weiterhin so spannende Gäste hinters Mikro zu bekommen, die ihre Insights aus Corporate Innovation mit euch teilen. Vielen Dank vorab und jetzt viel Spaß mit der Folge. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Return on Innovation. Heute spreche ich mit Dr. Ingrid Sebald und sie ist CTO bei tesa und viele kennen ja tesa vor allem vom Klebefilm aus dem Büro oder aus dem Haushalt, aber tatsächlich steckt hinter tesa ein Technologieunternehmen, das weltweit vielen Industriekunden dabei hilft, ja, Bauteile zu verbinden, Prozesse zu automatisieren und vor allem auch Produkte im Hinblick auf Nachhaltigkeit zukunftsfähig zu machen. Ingrid, schön, dass du da bist. Ich freue mich heute mit dir zu sprechen.

Dr. Ingrid SebaldVielen Dank für die Einladung, liebe Anne.

Anne SchlösserIngrid, magst du dich zum Einstieg mal kurz vorstellen? Was machst du als CTO genau bei tesa und was ja, hat am meisten mit Zukunftsthemen und Innovation zu tun bei den Dingen, die du vorantreibst?

Dr. Ingrid SebaldTatsächlich, ich habe wahrscheinlich den coolsten Job bei tesa, weil ich mich wirklich hauptberuflich mit dem Thema Zukunft beschäftige. Als CTO ist man ja an der Schnittstelle jeden Tag zwischen Technologie, Innovation und der strategischen Ausrichtung und meine Aufgabe in einfachsten Worten ist es, sich in diesen komplett rasant verändernden Umfeld neugierig zu bleiben und gleichzeitig die richtigen Schlüsse für unser Unternehmen damit abzuleiten. Was bedeutet das? Dass z.B. Entwicklungen, die sehr schnell vorangehen, wie künstliche Intelligenz oder die neuen Nachhaltigkeitstrends, dass ich die nicht nur beobachte, sondern verstehe und umsetze, was das konkret für tesa bedeutet. Und das heißt eben auch, die richtige Organisationsstruktur zu schaffen. Das heißt auch, die richtige Innovationskultur zu schaffen, die dann die Kreativität nicht nur fördert, sondern tatsächlich auch fordert. Und für die Umsetzung habe ich ein großartiges Team. Wir haben ungefähr 700 Entwicklerinnen und Entwickler weltweit, die jeden Tag an über 100 Produkten arbeiten, die wir pro Jahr in den Markt bringen und die immer schon Jahre vorausdenken, wie sich die Bedarfe verändern. Also insgesamt ein super spannendes und inspirierendes Aufgabenfeld, was ich da habe.

Anne Schlösser700 Entwickler, das ist ein sehr großes Team. Was sind denn auf Innovation blickend deine ganz persönlichen Erfahrungen daraus, wie du in diese Organisation gekommen bist, was du dort vorgefunden hast, vielleicht auch, wie du das jetzt bei so einem großen Team an Entwicklern auch vorantreibst?

Dr. Ingrid SebaldNa ja, für Innovation gibt's kein Schema F. Also man muss da schon relativ breit und vielschichtig denken. Immer vom Kunden kommend ist eigentlich der größte Schlüssel, wenn man einen gemeinsamen Nenner haben will, dann ist es das. Also welche Bedarfe hat der Kunde, die die zu lösen sind, wo man Mehrwert stiften kann und dann eben mit der entsprechenden Kreativität reingehen. Momentan ist ein extrem gutes Umfeld für Innovation, sage ich in der Welt und ist vielleicht eine komische Botschaft, weil man hört ja überall von Krisen und Schwierigkeiten und eigentlich mehr von den negativen Nachrichten in der Welt, aber tatsächlich sind es genau die Veränderungen in der Welt, die ganz ganz viel Raum für Innovation lassen, wo man anders denken kann, wo man Keimzellen setzen kann und wo sich ganz viele tolle Sachen entwickeln.

Anne SchlösserIch sehe das ähnlich, aber viele sehen das ja auch ganz anders im Moment und sind eher auf der zurückhaltenden oder zögerlichen Seite. Was veranlasst dich zu der Aussage, dass es eine gute Zeit für Innovation ist?

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