
Digitale Services für die Recyclingindustrie mit Julia Stadler: Wie STADLER Anlagenbau ein profitables Geschäftsmodell in zwei Jahren aufbaute
Heike Löffler spricht mit Julia Stadler, Co-CEO von STADLER Anlagenbau, über die digitale Transformation im Maschinenbau.
Im Mittelpunkt des Gesprächs steht der erfolgreiche Aufbau eines digitalen Servicegeschäfts bei einem klassischen Anlagenbauer. Julia erklärt, wie sie bei STADLER eine Plattform für datenbasierte Services rund um Müllsortieranlagen entwickelt hat – von Predictive Maintenance bis Materialanalyse. Sie berichtet von frühen Hürden, interner Skepsis und einem Markt, der erst lernen musste, dass Softwarelösungen ihren Preis haben. Im Zentrum steht die Frage, wie digitale Innovation in einem klassischen Familienunternehmen verankert werden kann und wie es gelingt, Kundenfeedback, Prototyping und Pricing neu zu denken in einer Industrie, die bislang Maschinen statt digitale Module verkauft hat.
Über den Gast:
Julia Stadler ist Co-CEO von STADLER Anlagenbau und baute dort in nur zwei Jahren ein komplett neues digitales Geschäftsmodell auf, das bereits in über 25 Anlagen zum Einsatz kommt. Zuvor war sie in der Strategieberatung tätig und gründete ein eigenes Start-up im Bereich Unternehmensnachfolge. Seit kurzem teilt sie sich die Geschäftsführung mit ihrem Vater und gestaltet den Generationenwechsel im eigenen Unternehmen aktiv mit.
Transkript
Julia StadlerWir sind mit diesen digitalen Lösungen wirklich die Ersten am Markt. Also, jetzt kommen immer mehr andere, die da auch ein bisschen nachziehen, aber in einem deutlich geringeren Ausmaß.
Heike LöfflerDas ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Julia, herzlich willkommen und schön, dass du heute mit dabei bist. Am besten wir fangen damit an, dass du mal kurz in deinen Worten erzählst, was STADLER Anlagenbau eigentlich genau macht.
Julia StadlerSuper, vielen Dank, Heike, auch für die Einladung. Ich freue mich sehr, heute hier zu sein. Genau, zu deiner Frage, was machen wir als STADLER? Wir bauen Müllsortieranlagen für die Abfallwirtschaft weltweit. Das heißt, wir planen die Anlage, wir produzieren sie, auch mit einer recht hohen Fertigungstiefe, und montieren die Anlage vor Ort. Das heißt, unsere Kunden sind dann diejenigen, die die Anlage betreiben, und auch da unterstützen wir sie über unseren Service und auch mit unseren digitalen Lösungen. Wir bauen die Müllsortieranlagen für unterschiedliche Arten von Abfall, also von Verpackungen über Hausmüll, Textilien bis hin zu Elektroschrott. Und man muss da dazu auch erwähnen, jede Anlage von uns ist individuell konzipiert. Die Abfallsammlung je nach Ort ist unterschiedlich und auch sonst variieren die Gegebenheiten. Insofern ist das ein sehr individuelles Geschäft.
Heike LöfflerUnd nicht, dass ich es vergesse, auch vorneweg einen ganz herzlichen Glückwunsch von uns, nämlich zur neuen Co-CEO-Rolle, die du jetzt vor Kurzem übernommen hast. Du bist ja schon länger im Unternehmen dabei. Vielleicht magst du noch mal erklären, auch wie sich deine Rolle gewandelt hat in den letzten zwei Jahren.
Julia StadlerJa, super gerne, also auch vielen Dank für die Glückwünsche. Ich habe ja 2023 bei uns angefangen im Unternehmen und habe den Digitalbereich geleitet. Das war so ein bisschen wie eine Gründung im eigenen Unternehmen. Also, ich hatte ein Team von zwölf Leuten, wir haben sehr viel experimentiert, Prototypen gebaut etc. Und jetzt in der neuen Co-CEO-Rolle würde ich sagen, hat sich meine Perspektive etwas geweitet. Also, es kamen auch weitere Verantwortungsbereiche bei mir hinzu, also von Personal über das Servicegeschäft, Prozessmanagement, IT und auch das Thema Kommunikation und Marketing. Das heißt, insgesamt ist meine Rolle deutlich strategischer geworden und ich entscheide nicht mehr nur noch, welches Feature in Anführungszeichen live geht, sondern wohin sich auch wirklich unsere gesamte Unternehmensgruppe und unsere Wertschöpfung hinentwickelt.
Heike LöfflerJa, und vor zwei Jahren bist du eingestiegen, indem du euren Digitalbereich aufgebaut hast, und das ist genau das, was wir uns heute auch zusammen anschauen wollen. Denn ihr habt ein komplett neues Serviceportfolio aufgebaut, eine digitale Plattform, von denen Kunden verschiedene Services ziehen können, und vor allen Dingen, ihr seid bereits nach zwei Jahren im siebenstelligen Umsatzbereich unterwegs und das auch noch profitabel. Wir sehen das bei unseren Projekten auch ganz viel, diese Themen As-a-Service, und vielleicht kannst du mal mit uns teilen, was war denn der Moment, in dem dir klar war, wir müssen in diesen Bereich rein, also digitale Services aufbauen, weil wir sonst wahrscheinlich, ja, die Zukunft verpassen?
Julia StadlerJa, das ist eine sehr gute Frage. Ich glaube, der Moment, in dem mir das klar wurde, dass wir etwas tun müssen, ist, ich war 2019 mit meinem Vater in San Francisco und dort haben wir uns mit unterschiedlichen Gründern, Gründerinnen von Start-ups und auch anderen Personen im Tech-Bereich ausgetauscht und gemerkt, es passiert da sehr, sehr viel. Es gibt immer weitere neue Technologien, die auch für unsere Industrie relevant sind, beispielsweise das Thema KI, insbesondere Vision AI. Und auf dieser Basis haben wir dann eine Digitalstrategie erarbeitet und diese dann in unserer Plattform STADLER Connect eigentlich ziemlich konsequent auch umgesetzt.
Heike LöfflerWas genau umfasst denn eure Plattform STADLER Connect? Ich habe verstanden, das sind zwei zentrale Bereiche, die ihr abdeckt. Einmal Services rund um Digital Maintenance und der andere Bereich ist rund um Automatisierung und Materialanalyse, korrekt?
Automatisch erstellt, kleine Fehler sind möglich.