Return on Innovationby hy, zur StartseiteSay hy!

Folge #011 · 16.07.2025 · 38 Min.

#greenROI anders gedacht mit Steffen Erath von Hansgrohe: Klimastabilisierung, die skaliert

Wie schafft man es, dass Nachhaltigkeit zur skalierbaren Geschäftsstrategie wird, die mit echtem Hebel durch marktwirtschaftliche Wirkung skaliert?


Anne Schlösser spricht mit Steffen Erath, Head of Innovation und Sustainability bei Hansgrohe, über strategische Vorausschau als Methode und Mindset und darüber, wie aus einem Zukunftsbild wie der „Green Vision 2030“ konkrete Produkte mit messbarem Klimanutzen entstehen.

Dabei zeigt sich, dass strategische Vorausschau ein mächtiges Instrument ist, weil sie eine mögliche Zukunft nicht nur visualisiert, sondern sehr konkret beschreibt #EinBildSagt1000Worte. Sie wird zudem zur self-fulfilling prophecy, wenn man durch dieses Zukunftsbild Kunden, Zulieferer und sogar Wettbewerber mobilisiert #performancemarketinghack #TueGutesUndRedeDarüber. Und der wahre Hebel für messbare Klimawirkung steckt in der Nutzung. Produkte, die Wasser, Energie und CO₂ sparen, entfalten ihren Impact im Alltag millionenfach. #EsGibtNichtsGutesAusserManTutEs


Über den Gast: 

Steffen Erath ist Head of Innovation & Sustainability bei der Hansgrohe Group und gestaltet mit einem planetenzentrierten Designansatz die nachhaltige Transformation des Unternehmens. Mit über 16 Jahren Erfahrung in Produktmanagement und Innovationsentwicklung steht er für die Verbindung von Substanz, Wirkung und Gestaltungskraft. #PlanetCenteredInnovation


Transkript

und irgendwann kam halt dann so die Erkenntnis, dass das auch eine Mordschance ist, eigentlich Business zu generieren. Und das war dann so die Idee, das zu verknüpfen, Innovation und Nachhaltigkeit. Und das jetzt eben so zu lösen, dass man den Hebel der Marktwirtschaft nutzen durch unsere Produkte und das Problem nicht nur bei uns in der Produktion lösen, sondern in Millionen von Haushalten. Das ist dann unsere große, ja, unser großer Antrieb gewesen. Das ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Hallo, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer von Return on Innovation. Heute sprechen wir mit Steffen Erath. Er ist Head of Innovation und Sustainability beim Badarmaturenhersteller Hansgrohe. Ja, und wir sprechen über den Weg von nutzerzentrierter hin zu planetenzentrierter Innovation und darüber, wie Hansgrohe durch strategische Vorausschau ein Zielbild entwickelt hat, das nicht nur intern Orientierung gibt, sondern auch das Ökosystem aus Kunden, Partnern und Lieferanten auf die Zukunft im Bad vorbereitet und natürlich dadurch auch die Trends der Branche mitbestimmt. Hallo, Steffen. Hallo, Anne. Ich freue mich total, dass du heute dabei bist. Steffen, Hansgrohe ist so ein Unternehmen, ich glaube, das kennen wir alle. Wir wissen, dass ihr immer sehr stark im Bereich nutzerzentrische Innovation gearbeitet habt, viel auch in Zusammenarbeit mit Designern und auch mit Endkunden. Was ist denn so ein Beispiel für eine erfolgreiche nutzerzentrische Innovation, die ihr an den Markt gebracht habt? Und wann habt ihr das Thema Nachhaltigkeit auch als Kernelement der Innovation mitgedacht? Ja, wir haben ein paar verrückte Sachen ausprobiert, wird man so sagen, aber ich finde es gar nicht so verrückt. Die sind eigentlich nur offensichtlich. In der Nutzerforschung fragst du immer nach so emotionalen, krassen Momenten. Also, was was stört dich am meisten oder was war dein geilstes Duscherlebnis? Und da kam oft am Anfang dieser Hund raus. Also, dass wir uns den den Hund nicht richtig geduscht kriegen. Also, äh Long Story Short, viele viele Leute haben irgendwie einen Hund, damit sie sich nicht einsam fühlen. Jetzt ist der Hund im Haus, der der Hund riecht ein bisschen, jetzt duschen sie den mit Shampoo, sind die überzüchtet, jetzt kriegen sie da irgendwie so Irritation. Da haben wir so eine Hundebrause entwickelt. Das ist natürlich jetzt erstmal ähm verrückt und und du fragst dich auch, okay, löst du jetzt wirklich ein relevantes Problem? Für die Zielgruppe war es super relevant. Es ist sehr emotional das Thema, kann ich sagen. Ähm Aber ein ganz neuer Markt für uns. Ist zwar auch eine Dusche, aber ist Pet Care. Also, auf einmal musst du mit Fressnapf reden und etc. Und so zwei Jahre später ging es um das Tabuthema. Haben wir gesagt, was gibt es denn für Tabus im Badezimmer? Und dann kam das Thema Selbstbefriedigung. Und das war natürlich auch so ein Riesenthema, wo es dann Wir wollten damit brechen, weil wir sagen, hey, das passiert im Badezimmer, das ist menschlich, das ist human und da haben wir dann auch gepartnert mit ähm Womanizer in in Berlin und haben da auch eine eine Dusche entwickelt, die die hilft bei der Selbstbefriedigung. Und das waren schon so, also, wenn du es nüchtern siehst, sind es Brausen. So, wenn du es natürlich auflädst, dann sind es Themen, wo wo schon ähm disruptiver Natur sind. Aber das war auch dann so die Erkenntnis, wo du sagst, löst du jetzt wirklich die relevantesten Probleme dieser Zeit? Und dann irgendwann sagst du, ja gut, also, das sind ja irgendwie so so Luxusprobleme, die sind auch da. Ja, und es ist Premium und du kannst Geschäfte damit machen und es funktioniert. Also, du kannst Geld verdienen. Es geht schon und es ist schon dann auch interessant, um diesen Prozess zu testen. Aber diesen Kraft, den du da hast mit der Innovation, noch größere Probleme zu bannen. Also, ich fand es super gut, dass wir diesen Schritt gegangen sind, um auszuprobieren. Das sind so die Das war der Playground. Aber so so richtig gescheite Probleme sind halt Wasserkrise, Energiekrise, Kreislaufwirtschaft. Das sind unsere neuen Felder oder vielleicht auch Future Housing. Wie bauen wir zukünftig Häuser? Wir brauchen Wohnraum oder die Menschen werden älter, demografischer Wandel. So, das sind jetzt so die richtig krassen Themen. Die sind jetzt aber nicht mehr so leicht und spielerisch zu lösen wie die anderen, die ich dir gerade erzählt habe. Das schaffst du in zwei Jahren, davon der Idee, Konzept, äh die erste Million vielleicht zu erwirtschaften. Hier musst du jetzt aber ein bisschen ähm ja, substanzieller und technologischer an die Thematik dran. Also, war es für uns die logische Entwicklung aus diesem nutzerzentrierten dann irgendwann, und wir nennen das planetenzentriert, zu innovieren. Du hast jetzt planetenzentrisch erwähnt, Steffen. Also, die Ergänzung von Nachhaltigkeitskriterien als Anforderung für Innovationsarbeit. Ja, wie wie geht ihr dabei konkret vor? Ja, wir sehen Nachhaltigkeit als Innovationssuchfeld. Ich glaube, das beschreibt es am besten. Und somit können wir mit der Kraft der Innovation nachhaltiger werden. Also, wir versuchen die Schnittmenge zwischen Nachhaltigkeit und Innovation ähm für Unternehmenswachstum und Wertwachstum äh zu nutzen. Und das liegt in der Natur der Sache, weil wir halt als Hansgrohe relativ nah am Wasser gebaut sind, einmal das Headquarter, aber vor allem halt unsere Produkte, da fließt ja Wasser durch. Wir verkaufen Duschen, Armaturen, so es geht ums Badezimmer, die Küche. Und ähm deswegen äh geht es schon immer darum, schon seit 124 Jahren, sehr achtsam mit dieser Ressource Wasser umzugehen und gleich

zeitig, ähm ja, das Positive vom Wasser herauszukitzeln, also das Duschvergnügen.

Anne SchlösserJa, und das ist ja auch das Spannende an deiner Rolle, dass du quasi diese beiden Bereiche verantwortest und dass dann natürlich auch dann dementsprechend Synergien entstehen. Wie habt ihr das Thema Nachhaltigkeit ganz konkret operationalisiert, Steffen? Also ja, zu so einer wichtigen tragenden Säule gemacht?

Steffen ErathJa, ähm muss ich vielleicht ein bisschen zurückgehen, so 7 7-8 Jahre. Hat auch ein bisschen mit der Struktur zu tun, also Hansgrohe wurde groß gemacht von der Familie Klaus Grohe mit auch einem großen Anteilseigner von der Firma. Ein Drittel, zwei Drittel gehören zu Masco Corporation, eine US-basierte Firma. Und Klaus Grohe und seine Söhne, seine Family, haben das Unternehmen geprägt und groß gemacht, also von 70 Millionen D-Mark auf eine Milliarde mehr oder weniger. Und das vor allem ähm mit dem Thema Design, würde ich sagen. Also so vor 124 Jahren war das große Thema, jeder braucht ein Badezimmer. Es ging um funktionale Hygiene, um körperliche Hygiene und dann ab den 70er, 80ern kam das Thema mentale Hygiene, Wohlbefinden und da hat Design, Gestaltung, eine Mordsrolle für uns gespielt, wie für viele Unternehmen in den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern. Um und für Klaus Grohe war es halt schon immer so sein Thema, kam 68 ins Unternehmen, war vielleicht ein bisschen sinnbildlich, dass man halt super nachhaltig umgehen muss. Einfach halt auch als Opportunität und aus Notwendigkeit heraus, weil Wasser immer knapper wird. Und er hat auch diese nachhaltige Thematik immer nach vorne getrieben, schon 30, 40 Jahren. Und als er dann halt ein Stück weit rausging und seine Family aus dem operativen Management, haben wir angefangen, das eher strategisch aufzubauen, also ein Nachhaltigkeitsmanagement aufzubauen, eine Strategie. Und da haben wir das Green Company Team gegründet, als Transformationsteam, das direkt an den CEO dann auch berichtet hat und das durfte ich leiten. Und wir haben halt erst mal so die Basics gemacht, also CO2-Bilanzen, Footprints berechnet von unseren Produkten, geschaut, doppelte Wesentlichkeitsanalyse, also wo haben wir viel negative Wirkung auf die Umwelt. Und irgendwann kam halt dann so die Erkenntnis, natürlich, dass man das reduzieren muss, die Umweltwirkung, aber dass es auch eine Mordschance ist, eigentlich Business zu generieren.

Anne SchlösserMhm.

Steffen ErathUnd das war dann so die Idee, das zu verknüpfen, Innovation und Nachhaltigkeit. Also, wenn du jetzt richtig gescheite Probleme findest, dann lieben ja Innovatoren nichts mehr als relevante Probleme und die haben wir da, vor allem mit Wasser, mit Energie, Warmwasser. Und das jetzt eben so zu lösen, dass man den Hebel der Marktwirtschaft nutzt durch unsere Produkte und das Problem nicht nur bei uns in der Produktion lösen, sondern in Millionen von Haushalten. Das ist dann unser großer Antrieb gewesen und das haben wir gemacht, indem wir halt auch organisatorisch die zwei Bereiche zusammengelegt haben mit direkter CEO-Unterstützung.

Anne SchlösserIhr habt also das Nachhaltigkeitsthema speziell rund um Wasser für euch als riesen Geschäftschance identifiziert. Wie habt ihr euch aufgestellt, um das organisatorisch zu verankern, Steffen? Kannst du das beschreiben?

Steffen ErathIch würde es so ein bisschen mit Fußball vergleichen. Wir haben halt Team Angriff und Team Verteidigung. Und Angriffsteam ist Innovation, da haben wir ein Innovation Board, auch interdisziplinär aufgesetzt, auch mit externen Leuten, nicht nur mit Hansgrohe-Leuten. Das operiert eher wie so ein Investment Board. Also, in welche Themen, Konzepte investieren wir Zeit, Ressourcen und welche lassen wir eher sein. Und dann haben wir noch ein Green Company Board. Und da gucken wir halt dann eher so Defense, also Umweltwirkung reduzieren, Lieferketten verbessern, Materialforschung geht da rein, aber auch soziale Nachhaltigkeitsthemen spielen da eine Rolle. Und das ist eben interdisziplinär aufgebaut, weil Nachhaltigkeit so crossfunktional ist. Und der Hauptpunkt mittlerweile für mich ist hauptsächlich das Innovation Board. Also, dass wir so diese Opportunitätsfelder, diese Zukunftsfelder aufmachen, also so Strategic Foresight, dass wir uns eine Welt vorstellen, wie ein ideales Badezimmer in 10 bis 15 Jahren aussehen kann und abgeleitet von dieser schönen Vision machen wir dann so ein Backcasting und versuchen dann einzelne Projekte jetzt schon zu entwickeln, dass irgendwann diese Vision Realität wird. Und ich habe das die Erkenntnis, dass das halt noch mehr motiviert, deutlich mehr motiviert, wie jedes Mal zu sagen, wo es gerade schief läuft und wo wir noch mal CO2 einsparen müssen und wo wir müssen wir auch machen, so Verteidigung ist genauso wichtig, um ein Fußballspiel zu gewinnen, aber so richtig Spaß macht es halt, wenn man Tore schießt. Und deswegen finde ich das so ungemein wichtig, dass man auch die Innovationsarbeit unter dem Nachhaltigkeitsgesichtspunkt betrachtet.

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