
Prozessintelligenz mit Bastian Nominacher: Wie Celonis Daten in bessere Entscheidungen übersetzt
Anne Schlösser spricht mit Bastian Nominacher, Co-CEO und Mitgründer von Celonis, über Process Mining und Prozessintelligenz – von den Anfängen im IT-Servicemanagement bis zur object-centric Plattform.
Im Gespräch zeigt Bastian, wie aus einem ersten Use Case beim Bayerischen Rundfunk ein skalierbares Produkt wurde und eine Verkürzung der Ticket-Lösungszeit von über fünf Tagen auf unter 24 Stunden. Er erklärt, wie Celonis den Markt mit Proof-of-Value-Projekten erschlossen hat – inklusive 1.500 handgeschriebener Briefe an Entscheider – und warum heute drei Viertel der DAX-Konzerne sowie die Hälfte der Forbes Global 2000 auf die Plattform setzen. Inhaltlich geht es um den Sprung von klassischem Process Mining zur object-centric Prozessintelligenz. Zudem teilt Bastian die Celonis-Prinzipien „Customer Value first“ und Enterprise-Readiness bei riesigen Datenvolumina.
Über den Gast:
Bastian Nominacher ist Co-CEO und Mitgründer von Celonis – einer der am schnellsten wachsenden Softwarefirmen mit über 3.000 Mitarbeitenden und mehr als 20 Büros weltweit. Er transformierte Process Mining aus einem akademischen Ansatz in eine skalierbare Plattform und führte Celonis in den ersten fünf Jahren ohne externes Kapital auf Wachstumskurs. Bei Celonis verantwortet er die Regionen Europa & Asien sowie Finance, Operations, HR, Security und die Gesamtstrategie. Für seine Arbeit wurde er 2019 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet.
Transkript
Bastian Nominacher...wenn man am Anfang versucht, auch externe Investoren, Business Angels zu bekommen, aber das war einfach für die zu riskant, die dachten, hey, das ist eine komplett neue Technologie.
SprecherDas ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler.
Anne SchlösserHallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Return on Innovation. Und heute sprechen wir mit Bastian Nominacher. Er ist Co-CEO und Mitgründer von Celonis. Und Bastian, ihr habt mit Celonis eine neue Technologiekategorie geschaffen, das sogenannte Process Mining. Vielleicht erklärst du als Einstieg mal so ein bisschen, was ist das Process Mining und was habt ihr da dazu beigetragen, dass das heute eine Kategorie ist?
Bastian NominacherJa, Anne, vielen Dank, dass ich heute hier sein darf und gerade das ganze Thema Innovation und wie man einen greifbaren Return daraus schaffen kann, also wirklich einen ROI, das treibt uns ja seit 2011 um. Und wie du gesagt hast, haben wir wirklich eine neue Technologiekategorie geschaffen und erst mal den Markt für Process Mining und jetzt auch für Process Intelligence geschaffen und weiterentwickelt. Und jetzt gehen wir mal ein bisschen zurück, wie kam man da eigentlich da drauf? Und das Ganze ist aus dem studentischen Beratungsprojekt beim Bayerischen Rundfunk entstanden, wo wir zum ersten Mal gesehen haben, dass diese klassischen Methoden, mit denen man Geschäftsprozesse analysiert und optimiert, Interviews, Brown-Paper-Sessions, zwar gut sind, aber nicht wirklich eine transformative Verbesserung treiben kann. Und deshalb haben wir eine Technologie aus der Forschung, das Process Mining, wirklich das erste Mal praktisch umgesetzt, um im Unternehmen da möglichen, ja, eine Art Röntgengerät für die Prozesse aufzusetzen. Das heißt, wir nehmen die Daten des Unternehmens aus dem System wie dem CRM, den ERP-Systemen und anderen, um dann einen sogenannten digitalen Zwilling aufzubauen. Das heißt, wirklich mit unserer KI zu rekonstruieren, wie die End-to-End-Geschäftsprozesse ablaufen und dann natürlich die auch optimieren zu können. Und das super Spannende ist wirklich, das ist einsetzbar in jedem Geschäftsprozess, in jeder Organisation und Unternehmen, auch wenn wir in den öffentlichen Sektor gehen, weltweit. Und zum Aufbau von so einer neuen Technologiekategorie gehört nicht nur die Technologie, sondern auch den Markt zu erschließen. Und wir sind stolz drauf, dass heute drei Viertel aller DAX-Konzerne unsere Kunden sind, über 30 % der Fortune Global 500. Das heißt, das ist eigentlich wirklich eine Grundlagentechnologie, die mittlerweile ja State of the Art in den Unternehmen ist.
Anne SchlösserStelle ich mir das richtig vor, dass das wie so eine Art Prozess-Dashboard ist, was du pro sozusagen Segment oder oder Business Unit hast und das sozusagen dann röntgenmäßig die Prozesse abbildet?
Bastian NominacherJa, es ist weniger ein Dashboard, sondern ist wirklich ein Röntgengerät und mittlerweile ist es sogar ein MRT, weil es nicht nur einzelne Geschäftsprozesse durchleuchtet, sondern alle Geschäftsprozesse zusammen. Das ist eine Technologie, die nennt sich Object-Centric Process Mining in unserem Process Intelligence Graph. Da sehe ich beispielsweise, wie läuft der Geschäftsprozess. Also, wenn jetzt zum Beispiel ein Auto gefertigt wird, wie läuft es auf der Fertigungsstraße ab? Wie läuft es, wenn ich zum Beispiel jetzt eine Versicherung bin und gerade so einen Schadensfall bearbeite? Und da kann der tief mit einsteigen. Das kann man sich auf einem Dashboard anzeigen lassen, kann man direkt im Prozess navigieren, wie so in einem Navigationssystem. Und mittlerweile kann man das auch, und viele Kunden machen das auch sehr stark, einfach nutzen, um das beispielsweise in ein LLM-Modell reinzugeben und dann einen KI-Agenten darauf aufzusetzen.
Anne SchlösserCool, also sozusagen drilldown-fähig bis zum Root Cause.
Bastian NominacherGenau, bis zur letzten, jedem Schritt, jeder Transaktion und das wirklich, das As-Is zu verstehen. Und das ist ja ganz wichtig, weil jetzt für die menschliche Analyse oder wenn die AI draufgeht, die braucht diesen Kontext und diese feingranulare Analyse, denn nur dann kann man eigentlich wirklich verstehen, wo läuft es nicht, wo werden zum Beispiel Dinge nachbearbeitet, wo gibt es Qualitätsausschuss, der dann natürlich zu einer schlechteren Performance führt.
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