
AI Learning als Wettbewerbsvorteil mit Monika Wiederhold: Wie Agenten im Organigramm zur Realität werden und Unternehmen durch Corporate AI Learning implizites Wissen nutzbar machen
In dieser Folge spricht Heike Löffler mit Monika Wiederhold darüber, wie Corporate AI Learning den Weg in die Zukunft der Arbeit ebnet und was Unternehmen tun müssen, um die massive Lücke zwischen neuen Technologien und den tatsächlichen Mitarbeiterkompetenzen zu schließen.
Im Gespräch geht es um die zwei entscheidenden Dimensionen des AI Learnings: den breiten Aufbau von KI-Kompetenzen in der Belegschaft und den innovativen Einsatz von KI als neue Lerntechnologie. An konkreten Beispielen wie dem KI-gestützten On- und Offboarding Buddy wird deutlich, wie schnell und intuitiv implizites Firmenwissen gesichert und für Mitarbeitende nutzbar gemacht werden kann. Monika erklärt, wie die Technologie des Tochterunternehmens eduBITES eingesetzt wird, um durch KI-Agenten die Erfolgsmuster von Top-Performern im Vertrieb zu extrahieren und dieses spezifische Firmenwissen in skalierbare Trainingsangebote zu übersetzen. Zudem teilt sie exklusive Ergebnisse ihrer neuesten groß angelegten Studie im Rahmen der "Allianz der Chancen", die bemerkenswerterweise selbst durch KI-Agenten mit einem Agentic Action Research Ansatz durchgeführt wurde. Monika erklärt, wie eine erfolgreiche KI-Transformation Wirkung entfaltet, wenn das Thema fest im Top-Management verankert ist, Führungskräfte ein sichtbares Vorbild beim Lernen darstellen und Alltagsprobleme gelöst werden. Außerdem geht es um die fünf verschiedenen Unternehmens-Archetypen im Umgang mit KI und warum man das Thema als echtes Transformationsprojekt anstatt als Schulungsmaßnahme begreifen muss. Abschließend blickt Monika auf das Aufkommen KI-nativer Unternehmen mit agentischen Organigrammen und macht klar, dass Deutschland bei der KI-Adaption an die internationale Spitze rücken muss, um als Wirtschaftsstandort wettbewerbsfähig zu bleiben.
Über den Gast
Monika Wiederhold verbindet tiefes technologisches Verständnis mit der Zukunft der Arbeit und verantwortet als Vorständin für Weiterbildung bei der Amadeus Fire Group verschiedene Bildungsträger sowie KI-gestützte Lernplattformen. Zudem engagiert sie sich als Initiatorin des unternehmensübergreifenden Corporate AI Learning-Projekts innerhalb der Allianz der Chancen aktiv für die systematische Befähigung des Wirtschaftsstandortes.
Transkript
Wir haben ausgefunden, dass 92 % der deutschen Unternehmen höhere KI-Budgets planen. Das heißt also, es ist an sich flächendeckend die Absicht da, die Technologie voranzubringen, aber nur 20 % der Berufstätigen sind tatsächlich im Einsatz geschult. Und das zeigt, was für eine Lücke wir hier zwischen Technologie und Kompetenz haben, die sich einfach schließen muss. Das ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Return on Innovation. Heute bei mir zu Gast ist Monika Wiederhold. Monika ist Vorständin für Weiterbildung bei Amadeus Fire. Und ich freue mich ganz besonders, Monika, dass du heute da bist, denn wir haben Ende März unseren KI-Summit in Düsseldorf rund um das Thema KI Operating Model. Und KI ist dein Herzensthema, vor allen Dingen AI Learning, und ganz, ganz herzlich willkommen hier bei uns im Podcast. Ja, vielen Dank, Heike. Ich freue mich sehr, dabei zu sein und ja, wie du sagst, genau dieses Herzensthema auch hier mit dir zu besprechen. Du hast noch was im Gepäck, was sehr exklusiv ist hier im Podcast, und zwar eine Studie rund um AI Learning. Aber bevor wir darauf eingehen, stell dich doch bitte mal kurz selber vor, deine Rolle und auch euer Unternehmen. Sehr gern, Heike. Ich bin Vorstand Weiterbildung bei der Amadeus Fire Group und wir sind ein Unternehmen, das spezialisiert ist zum einen auf Personaldienstleistungen, aber auch für das Thema Weiterbildung, also mein Vorstandsressort. Und dort bin ich konkret verantwortlich für verschiedene Bildungsträger, Lernplattformen, aber auch KI-gestützte Lerntechnologie. Das Thema AI Skills in Summe ist natürlich eins, das mich sowohl in der Weiterbildung, und zwar in all dem, was wir weiterbilden, umtreibt, aber natürlich auch als Unternehmen insgesamt, da wir sehen, dass es wirklich ein Engpass-Skill ist, der auf uns, auf alle Unternehmen zukommt. Und wir haben eben die große Überschrift genannt AI Learning. Wie definierst du das denn für dich selber oder wie definiert ihr das bei euch im Unternehmen? Also AI Learning hat im Wesentlichen zwei Dimensionen. Zum einen muss man sicherstellen, dass AI-Kompetenzen gelernt werden, in der Breite, aber natürlich auch fach- und rollenspezifisch. Aber zum anderen muss AI auch eingesetzt werden als Lerntechnologie. Also es hat verändert das Lernen, wie wir lernen, schon sehr, sehr stark mit ganz neuen, tollen Möglichkeiten. Aber diese beiden Dimensionen, denke ich, sind wichtig, wenn man über AI Learning spricht. Ja, und jetzt ist KI natürlich in aller Munde und auch die Skills aufzubauen ist ein relevantes Thema. Gab es denn für dich so einen persönlichen Moment, wo du realisiert hast, ich muss mich damit beschäftigen bzw. wir als Unternehmen haben da eine riesen Chance? Also ich lerne schon immer sehr gerne und habe auch sehr früh in meinem vorherigen Leben, wo ich in einem Technologieunternehmen tätig war, mit AI zu tun gehabt und auch viel gelernt. Aber dieser Aha-Moment, welche Relevanz es doch hat, den gab es tatsächlich im Mai 2025. Da saß ich eines Sonntags und habe eine Hausaufgabe zu Web Coding gemacht und im Rahmen dieser Hausaufgabe innerhalb von drei Stunden eine funktionierende Webpage gebaut. Eine zweite Hausaufgabe hätte wahrscheinlich nur 30 Minuten gedauert und da saß ich dann so davor und dachte, das ist so fundamental krass, was ich selbst da eben gelernt hatte, dass mir klar war, dass das alle Funktionen, alle Themen auf den Kopf stellen wird und dass das Lernen einfach in eine völlig neue Relevanz kommt. Wie übersetzt ihr das denn für euch als Unternehmen? Das heißt, welche Angebote habt ihr, wie seid ihr intern strukturiert, um mit dem Thema KI umzugehen? Es hat viele Facetten. Ich starte mal mit meinem Aha-Moment und den hatten wir tatsächlich schon vorher als Unternehmen, dass wir sagen, wir müssen die Führungskräfte befähigen. Und mit mir waren 15 weitere Top-Führungskräfte Teil des AI Pioneers Programms der TU München. Und die Verankerung in der Führungsebene, das Lernen der Führungskräfte voran, ist, glaube ich, ein ganz wichtiges, das wir als Unternehmen stark leben, was aber auch in der Studie dann rauskommt, wie wichtig das ist. Ein zweites, sehr, sehr wichtiges Thema ist, die Technologie zu haben, die Lerntechnologie. Also eine Lernplattform zu haben, die wir hier mit unserem Tochterunternehmen Masterplan aufgebaut haben, die alle Mitarbeiter erreicht, die personalisiert Lernpfade zuordnen kann, die dazu führt, dass Lernen auch Spaß macht, ja. Wir nennen immer das das Netflix des Lernens. Also die Technologie ist sicherlich eine zweite, ganz, ganz starke Komponente. Und dann natürlich der Lehrplan, das Curriculum, ja. Also wie schaffen wir es, zum einen ganz breite Basiskompetenzen an alle zu vermitteln, Prompting, Copilot, EU AI Act, das sind Themen, die alle können und wissen sollten, aber auch eben dann sehr rollenspezifisch und pro Fachfunktion Wissen zu vermitteln. Auch wichtig. Und last but not least, wie können wir auch sicherstellen, dass unternehmensspezifisches Wissen über AI, aber auch mit AI vermittelt wird?
hat und dort sind wir mit eduBITES, unserem jüngsten Neuzugang seit Ende letzten Jahres im Konzern, zugange.
Heike LöfflerNimm uns mal mit in ein konkretes Produkt von euch. Du hast uns verraten, es gibt so was wie einen Onboarding Buddy. Was ist das? Nutzt ihr das intern? Ist das ein Produkt für eure Kunden?
Monika WiederholdAlso ist wirklich beides tatsächlich. Einmal ein Produkt, das wir anbieten, aber es ist auch etwas, was wir im letzten Jahr bei uns eingeführt haben und das mit einem Thema, was also jedes Unternehmen, jede Führungskraft kennt, ja, ein neuer Mitarbeiter kommt ins Unternehmen. Und in der Vergangenheit wurde der dann mit einem Einstiegsleitfaden, ein längliches PDF-Dokument, beglückt, wo er dann alles nachlesen konnte, und ansonsten haben das natürlich Führungskräfte und Kollegen übernommen. Wir haben das insofern umgesetzt, dass wir natürlich die Dokumente, die notwendig sind, genommen haben. Wir haben aber auch 50 Mitarbeiter, die noch recht jung im Unternehmen waren, befragt, was ihnen gefehlt hat, was gut war, was sie immer wieder wissen mussten. Und wir haben 50, ja, ältere Mitarbeiter befragt, wie sie Neue sehen, was Neue wissen sollten. Und das heißt, wir haben sowohl das explizite Wissen aus Dokumenten, aber auch das implizite Wissen aus den Köpfen der Neuen und der auch sehr erfahrenen Mitarbeiter rausgezogen und haben das in einen Onboarding Buddy übersetzt. Das heißt, neue Mitarbeiter haben jetzt wie einen Chat, in dem sie jede Frage stellen können, dieses Wissen jederzeit abrufbar, was natürlich die Time-to-Productivity steigert, was auch insgesamt die Produktivität steigert, weil auch andere Mitarbeiter nicht immer wieder gestört werden, und was problemlos skaliert und aktualisiert werden kann. Tolles Thema, führt zu höherer Zufriedenheit und wir nutzen es selbst, aber wir bieten das auch unseren Kunden an.
Heike LöfflerEs ist ein Onboarding Buddy, auf der anderen Seite vielleicht auch genauso ein Offboarding Buddy, wenn ihr sagt, ihr nehmt Wissen mit von älteren Mitarbeitern, die gegebenenfalls auch das Unternehmen verlassen und damit auch Wissen potenziell geht, oder?
Monika WiederholdJa, auf jeden Fall. Offboarding Buddies adressieren ganz gezielt Mitarbeiter, nicht nur ältere Mitarbeiter, generell Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen, die ein wertvolles Spezialwissen haben unter Umständen in ihren Köpfen, Kundenwissen, technisches Wissen, das kann alles Mögliche sein. Diesen Mitarbeitern eine sehr niedrigschwellige, einfache, ja, fast vergnüglich dialogische Möglichkeit zu geben, ihr Wissen auszuspeichern, abzugeben, ohne sie zwingen zu müssen, alles aufzuschreiben, ja, das ist wirklich eine ganz tolle Möglichkeit, solche Offboarding Buddies. Das, was dabei rauskommt, kann übrigens auch sehr, sehr gut wiederum in Training für neue Onboarding-Mitarbeiter übersetzt werden. Das ist das Spannende, sodass das auch ein Stück weit korrespondiert, wenn Wissen das Unternehmen verlässt, es zu fangen und dann wieder in neues organisationales Lernen zu übersetzen.
Heike LöfflerDann lass uns doch mal eine Ebene höher gehen, und zwar bist du auch in der Allianz der Chancen, und da bist du Initiatorin eines unternehmensübergreifenden AI Learning Lead-Projektes. Bevor wir darauf eingehen, was ist überhaupt die Allianz der Chancen und warum beschäftigt ihr euch da mit KI?
Monika WiederholdDie Allianz der Chancen ist ein Zusammenschluss von über 90 Unternehmen mittlerweile. Sie wurde vor fünf Jahren gegründet mit einigen wenigen Unternehmen und wächst stetig an. Und es geht darum, die Zukunft der Arbeitswelt aktiv zu gestalten und das eben in diesem Verbund gemeinsam voranzutreiben. Wir sind selbst als Amadeus Fire Group letztes Jahr im Herbst beigetreten, und ich habe dort als erstes Thema vorgeschlagen, sich mit Corporate AI Learning zu befassen. Und das hat wiederum wirklich auf hohes Interesse gestoßen, sodass, ja, wir es auch direkt dann gestartet haben zu Ende des Jahres.
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