Return on Innovationby hy, zur StartseiteSay hy!

Folge #045 · 25.03.2026 · 24 Min.

Soziale Innovation skalieren mit Dr. Nina Smidt: Wie hybride Geschäftsmodelle bei der Siemens Stiftung wirtschaftliche Tragfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz verbinden

In dieser Folge spricht Anne Schlösser mit Dr. Nina Smidt darüber, wie die Siemens Stiftung als unabhängiger Akteur soziale Innovationen in den Feldern Grundversorgung, Digitalität und Klima vorantreibt und wie sich der „Return on Innovation“ nicht monetär, sondern durch gesellschaftliche Resilienz und Chancengerechtigkeit definiert.

Im Gespräch geht es um die Verbindung von Technologie und Unternehmertum zur Lösung globaler Herausforderungen und darum, wie Stiftungen als „Do-Tank“ Transformation aktiv mitgestalten. Am konkreten Beispiel des eigens gegründeten Sozialunternehmens WeTu in Kenia wird deutlich, wie hybride Organisationsformen lokale Märkte für Wasser, Energie und E-Mobilität erschließen und dabei wirtschaftliche Skalierbarkeit mit sozialem Mehrwert verbinden,. Nina erklärt, wie wichtig dabei der integrierte Ansatz ist, um robuste lokale Ökosysteme zu schaffen, und wie im Bildungsbereich – etwa im Berliner MINT Hub – durch Open Educational Resources und Robotik neue Kompetenzen für die digitale Welt entstehen. Außerdem geht es um die Hürden bei der Skalierung sozialer Innovationen, die oft im Pilotstatus verharren. Abschließend blickt Nina auf die notwendigen Rahmenbedingungen und macht klar, dass langfristige Finanzierungsmodelle sowie eine stärkere Kollaboration zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft nötig sind, um systemische Veränderungen nachhaltig zu verankern.

Über den Gast

Dr. Nina Smidt ist seit April 2020 geschäftsführende Vorständin und Sprecherin des Vorstands der Siemens Stiftung, wo sie die Organisation strategisch auf Innovation und gesellschaftliche Transformation ausrichtet. Zuvor war sie viele Jahre im internationalen Wissenschafts- und Stiftungsmanagement tätig, unter anderem in den USA und Deutschland für die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS.

Transkript

und deswegen kann hier zusammengefasst werden, dass die Innovationskraft von WeTu gerade darin liegt, diese Technologie, die Geschäftsmodelle und die lokalen Bedürfnisse konsequent zusammenzubringen, und zwar mit dem Ziel, nachhaltige und langfristige Lösungen zu schaffen, die sowohl sozial wirksam, aber eben auch wirtschaftlich skalierbar sind. Das ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Return on Innovation. Heute ist Dr. Nina Smidt, geschäftsführende Vorständin der Siemens Stiftung bei uns zu Gast und wir sprechen darüber, wie die Siemens Stiftung als unabhängige Stiftung in drei großen Handlungsfeldern, Digitalität, Klima und Grundversorgung, Innovation vorantreibt. Z.B. durch Social Enterprises wie WeTu in Kenia oder über die Themen Female Health, Circularity und Energie bis hin zu Bildungsprojekten in Deutschland rund um KI, Lernplattformen und offene Bildungsressourcen. Und natürlich interessiert uns, was Return on Innovation im sozialen Kontext eigentlich bedeutet. Nina, ich freue mich sehr, dass du heute dabei bist. Anne, ganz herzlichen Dank für die Einladung. Ich freue mich auf das Gespräch. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen? Wer bist du, was machst du und wie bist du in die Rolle bei der Siemens Stiftung gekommen? Gerne. Ich bin seit April 2020 geschäftsführende Vorständin und Sprecherin des Vorstands der Siemens Stiftung und war vorher lange Zeit für eine andere große deutsche Stiftung tätig in den USA und auch in Deutschland, die ZEIT-STIFTUNG BUCERIUS und habe davor viele Jahre lang im Bildungsbereich, im Think-Tank-Bereich und Stiftungsbereich gearbeitet. Ja, jetzt seit sechs Jahren bei der Siemens Stiftung führe ich gemeinsam mit meinem Vorstandskollegen, dem Robert Baltasar, der der CFO der Stiftung ist, die Stiftung und wir haben insbesondere jetzt in den letzten zwei Jahren die Stiftung noch mal neu aufgestellt Richtung Innovation und Transformation und darüber wollen wir ja heute sprechen. Genau. Und die Siemens Stiftung ist zwar vom Unternehmen Siemens ja gegründet worden, agiert aber unabhängig. Wie würdest du diese Unabhängigkeit erklären und was bedeutet das für eure Arbeit vielleicht auch im Hinblick auf Innovation? Das ist richtig. Wir wurden 2008 von unserer Stifterin, also der Siemens AG, als unabhängige und gemeinnützige Organisation gegründet. Das heißt, wir sind eine unternehmensnahe Stiftung, agieren aber unabhängig vom Unternehmen. Wir sind bei Gründung mit einem Stiftungskapital von 390 Millionen Euro ausgestattet worden und realisieren jetzt unser Portfolio in der internationalen Umsetzung. Und dabei orientieren wir uns eben sehr stark an den United Nations SDGs. Das Thema interdisziplinäre Zusammenarbeit in den internationalen Regionen, in denen wir aktiv sind, steht dabei ganz zentral im Vordergrund und wir arbeiten aktuell in Deutschland, in Lateinamerika, in Subsahara-Afrika und in Indien. Da wir natürlich diese Nähe auch haben zum Unternehmen, zu unserer Stifterin, stehen natürlich Technologie und Unternehmertum auch bei uns im Vordergrund, aber wir sind in der Portfoliogestaltung und auch in der Wahl unabhängig von den Vorgaben des Unternehmens. Ja, du hast schon von Portfoliogestaltung gesprochen. In welchen Bereichen seid ihr denn als Siemens Stiftung konkret tätig und wie lässt sich vielleicht eure Arbeit in wenigen Sätzen beschreiben, damit man so ein bisschen so ein Bild davon bekommt, wie ihr arbeitet, was genau ihr macht? Also wir beschäftigen uns vor allen Dingen mit der Frage der nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung und Transformation. Das heißt, wir arbeiten hier verstärkt mit lokalen Partnern in den Ländern zusammen, in denen wir aktiv sind. Ich habe es eben ja erwähnt, das ist Deutschland, sind mehrere Länder in Lateinamerika, in Subsahara-Afrika und auch in Indien. Und wir beschreiben uns manchmal als eine Art Do-Tank. Das heißt, wir setzen eben Projekte konkret mit unseren Kooperationspartnern auf und entwickeln sie dann in den Regionen weiter. Also dazu gehört einfach ganz viel Mut, mit Partnern auch was Neues zu wagen, auszuprobieren und anzupassen. Und das tun wir vor allen Dingen in drei zentralen Handlungsfeldern. Das ist einmal der Bereich Grundversorgung, der Bereich Digitalität und der dritte Bereich Klima. Und kannst du ein bisschen erklären, was hinter diesen großen Handlungsfeldern genau steckt? Also erstmal ist ganz wichtig zu sagen, dass diese drei Handlungsfelder nicht isoliert zu betrachten sind, sondern natürlich unmittelbar miteinander verbunden sind. Im Bereich gesicherte Grundversorgung beschäftigt uns vor allen Dingen die Frage, was bedeutet eigentlich Grundversorgung, also Grundlage für Resilienz und gesellschaftliche Teilhabe. Mhm. Das Handlungsfeld Digitalität steht für

uns ganz stark als Schlüssel zu Chancengerechtigkeit und Innovationen, denn es geht nicht nur darum, das Thema Digitalisierung, Tools, Prozesse voranzutreiben, sondern wirklich auch die Frage danach zu stellen, was macht denn dieses technologische Umfeld, was macht die Digitalisierung mit uns als Menschen und mit unseren gesellschaftlichen Strukturen. Und der dritte Bereich Klima, ja da geht es natürlich um die Zukunftsfähigkeit. Wie können wir regenerativ handeln, wie können wir das in unsere sozialen Innovationsprozesse fest einbauen und fest verankern? Und daher ist eben diese Wechselwirkung zwischen diesen drei Handlungsfeldern ganz wichtig, ist so wichtig, das sichtbar zu machen und hier systemische Lösungen gemeinsam mit unseren Partnern zu finden. Anne Schlösser: Und wenn wir in den Bereich Digitalität noch mal ein bisschen konkreter reingehen, z.B. mit Blick auf KI und Lernplattformen etc., ja, wie verbindet ihr Technologie mit Bildung in diesem Feld? Dr. Nina Smidt: Das ist eine ganz wichtige Frage, weil tatsächlich gibt es ja viele Diskussionen auch gerade jetzt im Bildungsbereich rund um das Thema Digitalisierung, wo es vor allen Dingen eben um Fragen der Technik, der Tools, der Geräte, der Plattformen geht. Das ist natürlich ein Thema, das uns auch beschäftigt, aber uns geht es im Handlungsfeld Digitalität eben auch noch um mehr, denn im Mittelpunkt steht die Frage, wie verändern denn eigentlich diese Technologien den Menschen, unsere Gesellschaften, unsere Kultur? Also konkret, wie entsteht denn eigentlich unter diesen neuen, veränderten Bedingungen Wissen, wie lernen wir und wie können wir überhaupt mitgestalten? Und da ist es eben auch wichtig, dass durch diese neue Form des Umgangs mit Lernen, mit Lehren drei ganz zentrale Aspekte im Vordergrund stehen. Also Wissen wird eigentlich ständig neu verknüpft, Lernen wird gemeinschaftlicher und auch KI beispielsweise und Algorithmen prägen mit, was denn eigentlich sichtbar wird. Anne Schlösser: Mhm. Dr. Nina Smidt: Und das heißt einfach, dass Digitalität in diesem Bildungskontext auf der einen Seite natürlich unglaubliche Chancen für Offenheit, Kooperation und Teilhabe ermöglicht, aber eben auch Risiken birgt. Und deswegen ist es so wichtig für uns, dass wir eben im Bildungskontext, also in schulischen und außerschulischen Lernorten genau diese Kompetenzen in der Digitalität mit Partneren gemeinsam vermitteln. Also wir arbeiten mit Lehrerinnen und Lehrern zusammen, wir arbeiten aber auch mit weiteren Stakeholdern im Bildungskontext, wenn es beispielsweise darum geht, offene Lernplattformen zu gestalten, Open Educational Learning Resources, also kostenlose, offene, lizenzierte und anpassbare Resources zur Verfügung zu stellen und eben auch den Austausch untereinander zu ermitteln. Denn wenn wir das jetzt mal so auf das Thema Return on Innovation hier übersetzen würden, bedeutet das tatsächlich, dass der Return eben dann ist, wenn Wissen offen geteilt wird, wenn wir gemeinsam weiterentwickeln und eben dieses Wissen auch weitertragen. Und dadurch kann dann einfach eine sehr viel breitere Wirkung in der Gesellschaft entfaltet werden. Anne Schlösser: Nina, im Handlungsfeld Grundversorgung, da bewegt ihr euch unter anderem in den Bereichen Female Health und Hygiene, Circularity, Trinkwasser und Energie. Warum sind das jetzt gerade die Bereiche, die für euch zentral sind und welchen Return wollt ihr dort stiften? Dr. Nina Smidt: Ja, als Stiftung haben wir uns eben auf bestimmte Sektoren fokussiert. Du hast es ja eben gerade schon erwähnt, also es geht sehr stark eben um die Themen Selbstbestimmung, gesellschaftliche Teilhabe und nachhaltige Entwicklung und in diesen Bereichen Female Health and Hygiene, Circularity und Energy tun wir eben genau das. Das heißt, wir arbeiten mit lokalen Akteuren, mit Sozialunternehmerinnen und Sozialunternehmern zusammen, um ganz konkret Lösungen für ihre Communities zu schaffen. Also wie sieht das ganz konkret aus? Ich gehe mal auf diese drei Bereiche ein, auf die drei Sektoren ein. Im Bereich Female Health and Hygiene geht es vor allen Dingen dazu, Frauen und Mädchen Zugang zu Gesundheitsversorgung, insbesondere zu Menstruationshygiene zu ermöglichen, um zu gewährleisten, dass sie sehr viel stärker teilhaben können an gesellschaftlichen Entwicklungen. Und auf diese Art und Weise ist es eben für sie auch möglich, am Leben stärker teilzunehmen, aber eben auch Bildungsmöglichkeiten wahrzunehmen, beispielsweise dadurch, dass die Mädchen eben so versorgt auch am Schulunterricht teilnehmen können. Das heißt, der Return ganz konkret hier ist mehr Chancengerechtigkeit für Frauen und Mädchen, bessere Bildungs- und Einkommensperspektive und langfristig dann natürlich auch resilientere Gesellschaften. Anne Schlösser: Mhm. Dr. Nina Smidt: Der zweite Bereich, in dem wir unterwegs sind, ist eben der Bereich Circularity. Da sind wir überzeugt davon,

davon, dass eben lineare Wirtschaftsmodelle eher die Ressourcenknappheit und Umweltbelastung sowie soziale Ungleichheit verschärfen. Gerade eben in den Regionen mit fragiler Grundversorgung, hier insbesondere eben aus unserer Tätigkeit Sub-Sahara-Africa, ist das ein riesen Problem. Und deswegen schaffen eben zirkuläre Ansätze lokale Wertschöpfung und reduzieren damit auch Abhängigkeiten. Genau das ist es, wenn wir eben in Bereichen wie E-Mobility Solutions, Circularity Solutions mit lokalen Sozialunternehmen beispielsweise in Kenia, in Tansania, in Uganda oder auch in Ghana und Nigeria zusammenarbeiten. Und um das jetzt zusammenzufassen, das heißt, unser Return ist hier tatsächlich robuste lokale Ökosysteme und neue Einkommensmöglichkeiten zu unterstützen, um damit eben eine nachhaltige Nutzung knapper Ressourcen zu ermöglichen. Ganz kurz komme ich noch auf den letzten Punkt, den letzten Sektor, das ist eben Trinkwasser. Zugang zu sauberem Trinkwasser, also bezahlbarer, verlässlicher und nachhaltiger Zugang ist natürlich ganz zentral, ob jetzt für Gesundheitszentren, Wasseraufbereitung oder eben auch Versorgung von privaten Haushalten. Hier ganz konkret der Return: wirtschaftliche Entwicklung, verbesserte Lebensbedingungen und die Stärkung eben von lokalen Akteuren. Also das einfach mal zusammengefasst die drei Sektoren, auf die wir im Bereich Zugang zu gesicherter Grundversorgung uns fokussieren.

Anne SchlösserNina, lass uns mal in eine konkrete Initiative eintauchen, und zwar WeTu in Kenia. Was ist das genau und welches Problem adressiert ihr damit vor Ort?

Dr. Nina SmidtJa, WeTu bedeutet auf Swahili tatsächlich "unseres", also hier steht der Gemeinschaftsgedanke ganz stark im Vordergrund. Und WeTu ist ein Sozialunternehmen, das wir als Siemens Stiftung 2019 als Gesellschafterin selbst gegründet haben. Wir haben uns zu dem Zeitpunkt schon einige Jahre mit dem Thema sozialunternehmerische Lösungen beschäftigt und haben dann 2019 entschieden, dass wir eben auch als Gesellschafterin ein eigenes Sozialunternehmen gründen wollen, um wirklich auch nachzuweisen, dass dieser Ansatz funktionieren kann. Und im Vordergrund steht dabei die Thematik eben Zugang zu Grundversorgung. Wir arbeiten hier konkret in Kenia an 16 Impact Hubs rund um den Lake Victoria, und es geht vor allen Dingen um den Zugang zu sauberem Trinkwasser, Solar Hubs für Energieversorgung, Kühlung und Lebensmittelaufbewahrung, der Verleih von Solarlampen für die Fischerei und E-Mobility-Lösungen. Und damit schafft eben dieses Sozialunternehmen nicht nur Arbeitsplätze, wir haben mittlerweile über 100 Personen, die dort arbeiten, es werden Kompetenzen gestärkt, Perspektiven für die Jugend gestärkt, aber es geht eben ganz zentral auch darüber hinaus für die lokale Versorgung, um die lokale Grundversorgung für die Fischer-Communities.

Anne SchlösserWeTu folgt ja einem unternehmerischen Ansatz, lokale Enterprises, die mit Geschäftsmodellen Themen wie Wasser, Energie oder Mobilität adressieren. Wie funktioniert dieses Modell genau und worin liegt ja auch aus vielleicht deiner Perspektive, Nina, die Innovationskraft dieses Modells?

Dr. Nina SmidtJa, das ist tatsächlich eben sehr spannend, weil als Sozialunternehmen fokussiert WeTu nicht nur auf diesen unternehmerischen Ansatz, also natürlich soll es auch unternehmerisch funktionieren, es ist ja ein Unternehmen, aber ganz zentral im Vordergrund steht eben auch die soziale Innovation, also welche Möglichkeiten, welche Wirkung für die lokale Bevölkerung im Vordergrund steht in diesen zentrierten Bereichen Wasser, Energie und Mobilität. Und das heißt, wir haben eben WeTu so aufgestellt, dass es eine hybride Organisationsform hat. Es gibt auf der einen Seite eben einen Operations- und Business-Arm, da geht es ganz zentral um stabile Dienstleistungen, die angeboten werden, und es gibt eben auch einen Innovations-Arm. Was bedeutet das? Da steht das Thema soziale Innovation, das Thema Weiterbildung und Youth Engagement im Vordergrund. Und auf diese hybride Art und Weise entsteht nicht nur wirklich nachhaltige Veränderung, systemische Veränderung für die Communities, sondern es steht auf der einen Seite ein solides Business-Modell, und dies eng verknüpft eben mit dem sozialen Mehrwert für die jeweiligen Communities. Und deswegen kann hier zusammengefasst werden, dass die Innovationskraft von WeTu gerade darin liegt, diese Technologie, die Geschäftsmodelle und die lokalen Bedürfnisse konsequent zusammenzubringen, und zwar eben gerade mit dem Ziel, nachhaltige und langfristige Lösungen zu schaffen, die sowohl sozial wirksam

aber eben auch wirtschaftlich skalierbar sind.

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