Markt-Radar · Stand 10/2026 · Wird monatlich aktualisiert
Exoskelette in der Logistik
Die Forschung zu Exoskeletten in der Logistik wächst um +34 %, doch ein klarer Patenttrend fehlt.
Im Podcast:Folge #064: Human Augmentation & Physical AI bei German Bionic
Die Einstufung ist früh, weil den 159 Patentfamilien ohne klaren Trend (62 gegen 52 Treffer, Veränderung +19 % im 95-%-Intervall von -18 bis +72 %) ein messbares Wachstum bei den wissenschaftlichen Publikationen von 204 auf 271 Treffer gegenübersteht. Für eure Entscheidung bedeutet das: Bindet noch kein festes Budget für den breiten Rollout, sondern klärt über einen ehrlichen Markttest zuerst die Akzeptanz und Entlastung im eigenen Betrieb.1,2,3
Erste Einordnung: Erst validierenValidiert zuerst, wenn ihr als Logistiker oder Industrieanwender prüfen wollt, ob Exoskelette die Belastung beim Heben im Alltag tatsächlich senken.
- Patentemittel
- Forschunghoch
- Medienmittel
- EU-Förderungniedrig
- Dealsniedrig
Das Wichtigste
Nischenanwendung innerhalb einer breiten Basistechnologie
Den 8.331 Patentfamilien zu Exoskeletten in allen Anwendungen stehen 159 Patentfamilien mit explizitem Bezug zu Logistik und Hebetätigkeiten gegenüber. Die fünf größten Anmelder halten daran 12 %, wobei Hyundai Motor und Kia mit 6 Familien führen. Das heißt: Es gibt im Anwendungsfeld kein Monopol bei den Schutzrechten, weshalb Anwender nicht von einem einzelnen Technologiehalter abhängig sind.4,5
Forschung prüft reale Entlastung und Nebenwirkungen
Die meistzitierten Studien ab 2023 untersuchen neben der Muskelentlastung beim Heben ausdrücklich auch Nebenwirkungen, unerwünschte Ereignisse und die tatsächliche Nutzbarkeit im Feld. Institute wie die Vrije Universiteit Brussel, die ETH Zurich und das University Medical Center Groningen vergleichen dabei aktive und passive Systeme. Das heißt: Der ergonomische Mehrwert im Dauerbetrieb ist kein Selbstläufer, sondern muss je Arbeitsplatz sauber gegen mögliche Nachteile abgewogen werden.1,6,2
Logistik-Anwender testen im Betrieb
Fachmedien berichten über Einsätze bei Dachser sowie über Systeme von Htrius bei GV Lacke. Zudem steht mit dem Apogee Ultra ein System in Serienproduktion bereit, und neue Ansätze passen die Unterstützung per Künstlicher Intelligenz an den Träger an. Das heißt: Für Logistikleiter ist die Technik reif genug für konkrete Piloten mit verfügbaren Seriengeräten am eigenen Standort.7,8,3,9
Die Zahlen
2016unvollständig2026
Im Kern 159 Familien, im Umfeld 8.331
So gezählt
Google Patents (BigQuery): Patentfamilien (jede Erfindung einmal gezählt), deren englischer Titel oder Kernbegriffe die Technologie („exoskeleton“, „exosuit“, „wearable robot“, „wearable assist“) und die Anwendung („logistics“, „warehouse“, „lifting“, „industrial“, „worker“, „occupational“) nennen, nach frühestem Prioritätsjahr 2016 bis 2026: 159 Familien. Zum Vergleich das Umfeld: Die Technologie in allen Anwendungen kommt auf 8.331 Familien. Reihe, Anmelder und Anteile beziehen sich nur auf die 159 Familien mit Anwendungsbezug. Häufigste Patentklassen dieser Familien: B25J9 (63), A61H2201 (35), A61H3 (28). 2025 und 2026 sind noch unvollständig (rund 18 Monate zwischen Anmeldung und Veröffentlichung) und zählen nicht in den Trend. Anteil der Familien mit bekanntem Anmelder (148) mit Anmelder aus Deutschland: 1 %, aus der EU-27: 5 %. Das Land eines Anmelders ist das Land, das die Mehrheit seiner Familien nennt. Anmelder: Familien je Anmelder, Schreibvarianten zusammengefasst, Privatpersonen nicht gelistet; wer fast nur gemeinsam mit einem größeren Anmelder anmeldet, ist dort zusammengefasst. Belege: Familien ab Priorität 2023, Technologie und Anwendung im Titel zuerst, dann nach Zahl der Patentämter, höchstens zwei je Anmelder. Veränderung: die letzten drei vollständigen Jahre gegen die drei davor. 95-%-Spanne −18 bis +72 %. Hell gezeichnete Jahre sind noch nicht vollständig erfasst und zählen nicht in den Trend.
2016unvollständig2026
So gezählt
OpenAlex (wissenschaftliche Publikationen): Wissenschaftliche Publikationen (Artikel, Preprints, Konferenzbeiträge, Bücher), die im Titel die Technologie („exoskeleton“, „exosuit“, „wearable robot“, „wearable assist“) und ebenfalls im Titel die Anwendung („logistics“, „warehouse“, „lifting“, „industrial“, „worker“, „occupational“) nennen: 765 von 2016 bis 2026. 2025 und 2026 sind noch unvollständig (Publikationen werden noch nachgetragen) und zählen nicht in den Trend. Der Trend vergleicht den Anteil an allen erfassten Publikationen des jeweiligen Jahres, damit das Wachstum der Wissenschaft insgesamt nicht als Wachstum des Felds zählt. Institutionen: Zahl der Publikationen 2021 bis 2026 mit mindestens einer Autorin oder einem Autor der Institution. Belege: die 10 meistzitierten Publikationen ab 2023. Veränderung: die letzten drei vollständigen Jahre gegen die drei davor. 95-%-Spanne +12 bis +61 %. Hell gezeichnete Jahre sind noch nicht vollständig erfasst und zählen nicht in den Trend.
2016unvollständig2026
So gezählt
CORDIS (EU-Forschungsförderung): EU-geförderte Projekte aus Horizon 2020 und Horizon Europe mit Projektstart ab 2016, deren Titel oder Beschreibung die Technologie („exoskeleton“, „exosuit“, „wearable robot“, „wearable assist“) und die Anwendung („logistics“, „warehouse“, „lifting“, „industrial“, „worker“, „occupational“) nennt: insgesamt 40 Projekte, gezählt nach Startjahr. 2026 ist noch unvollständig (laufendes Jahr) und zählen nicht in den Trend. Belege: die 15 Projekte mit der größten EU-Förderung unter den 50 relevantesten. Von den 40 relevantesten Projekten gehören nach Prüfung der Titel 9 zum Thema; ihre EU-Förderung beträgt zusammen 31,2 Mio. €. Das ist die Förderung ganzer Konsortien, nicht Geld an einzelne Unternehmen. Partner: Koordinatoren und Teilnehmer dieser 9 Projekte. Hell gezeichnete Jahre sind noch nicht vollständig erfasst und zählen nicht in den Trend.
Wer das Feld prägt
- Hyundai MotorKRKonzernFührt gemeinsam mit Kia das Patentranking im Anwendungsfeld mit 6 Patentfamilien an und sichert Schutzrechte für Exoskelett-Anzüge zum Heben von Lasten.4
- KiaKRKonzernHält gemeinsam mit Hyundai Motor 6 Patentfamilien im Kernfeld für robotische Hebe-Exoskelette.4
- Vrije Universiteit BrusselBEForschungGehört mit 13 Publikationen zu den führenden Forschungsinstituten, untersucht aktive und passive Rücken-Exoskelette und koordiniert das EU-Projekt RESSORT.2,10
- Harvard UniversityUSForschungVerzeichnet 12 Publikationen im Feld und liefert die meistzitierte Arbeit ab 2023 zu tragbaren, aufblasbaren Soft-Robotern für die Schulterunterstützung.11
- Hangzhou Chengtian Technology DevelopmentCNStartupZählt mit 3 Patentfamilien zu den Top-Anmeldern im Anwendungsfeld und patentiert Exoskelette für die unteren Gliedmaßen zum Heben.5,12
- University Hebei TechnologyCNForschungHält gemeinsam mit Yankuang Energy Group 3 Patentfamilien zu Schulter-Exoskeletten für die Hebeunterstützung.13,14
- Yankuang Energy GroupCNKonzernMeldet gemeinsam mit der University Hebei Technology 3 Patentfamilien für obere Gliedmaßen-Exoskelette an.13,14
- DachserDEKonzernErprobt als Logistikdienstleister den Einsatz von Exoskeletten zur Ergonomieverbesserung im eigenen Betrieb.3
- HtriusDEStartupStellt Exoskelette bereit, die im betrieblichen Alltag bei GV Lacke zum Einsatz kommen.8
- German BionicDEStartupEntwickelt angetriebene Exoskelette und wird in den Finanzierungsmeldungen mit einer Runde über $16.3M genannt.15
Wohin Geld fließt
Build, Partner oder Invest
Strategische Relevanz: Für Logistikdienstleister, Handel und produzierende Unternehmen ist das Feld eine Ergänzung des Kerngeschäfts, um manuelle Hebe- und Trageprozesse ergonomisch abzusichern. Ein neues Geschäft ist es nur für Robotik-, Medizintechnik- und Werkzeughersteller, die eigene tragbare Systeme an Industriekunden verkaufen wollen.Distanz zum Kerngeschäft: Die Entwicklung erfordert Fähigkeiten in Programmsteuerung von Manipulatoren (B25J9), Mechatronik, Sensorik und Biomechanik. Für Hersteller von Robotik oder Elektrowerkzeugen liegt das nah an bestehenden Fähigkeiten, für Logistiker und Verlader liegt die eigene Hardware-Entwicklung außerhalb ihrer Rolle in der Wertschöpfungskette.
Erst validierennaheliegend
Validiert zuerst, wenn ihr als Logistiker oder Industrieanwender prüfen wollt, ob Exoskelette die Belastung beim Heben im Alltag tatsächlich senken. Da das Feld mit 159 Patentfamilien früh ist und die Forschung mit +34 % Wachstum aktiv Nebenwirkungen und Praxistauglichkeit untersucht, schützt ein ehrlicher Markttest mit klarem Abbruchkriterium vor Fehlkäufen.
Build
Baut selbst, wenn ihr als Robotik- oder Werkzeughersteller ein neues Geschäft aufbaut und die geringe Konzentration von 12 % bei den Top-5-Patentanmeldern Raum für eigene Schutzrechte lässt; für Logistiker spricht die fehlende Mechatronik- und Biomechanik-Fähigkeit klar dagegen.
Partner
Partnert, wenn ihr euer Kerngeschäft um eine eng abgegrenzte Fähigkeit wie die Integration eines Exoskeletts in einen digitalen Zwilling oder spezifische Ergonomie-Studien ergänzen wollt, wofür 40 % Forschungseinrichtungen in den passenden EU-Projekten bereitstehen; ohne vorherigen Praxistest im Lager bindet eine Entwicklungspartnerschaft jedoch zu früh Ressourcen.
Invest
Investiert, wenn ihr als Konzern über eine Beteiligung oder Übernahme direkt in den Anbietermarkt einsteigen wollt, wobei 5 relevante Deal-Meldungen wie zu German Bionic, Verve Motion, Wandercraft oder HeroWear konkrete Ziele zeigen; für reine Anwender in der Logistik ist Kapitalbindung in Hardware-Startups nicht sinnvoll.
Hypothese: Ein zeitlich begrenzter Pilot im eigenen Lager mit verfügbaren Systemen von Anbietern wie Htrius klärt den ergonomischen Nutzen für das Kerngeschäft besser als ein direkter Rollout oder eine Beteiligung. Die Annahme bestätigt sich in den nächsten 12 Monaten, wenn die Trägerakzeptanz und Entlastung im Test das vorab definierte Abbruchkriterium bestehen, und sie kippt, sobald Nebenwirkungen oder Einschränkungen der Arbeitsleistung überwiegen.
Wann die Antwort Nein ist
Für Unternehmen ohne manuelle Hebe-, Halte- oder Überkopfarbeiten trägt das Feld nicht. Ebenso sollten Betriebe verzichten, in denen laut den vorliegenden Studien zu passiven und aktiven Systemen die Einschränkungen bei der funktionellen Arbeitsleistung oder unerwünschte Nebenwirkungen für die Beschäftigten den ergonomischen Nutzen beim Heben aufwiegen.
Prüfpunkte für die nächsten 12 Monate
Beobachtet in den nächsten 12 Monaten, ob aus dem Publikationswachstum (+34 %) ein messbarer Anstieg bei den Patentanmeldungen im Kernfeld entsteht und ob auf Pilotberichte wie bei Dachser und GV Lacke größere Serienbeschaffungen folgen. Setzt parallel einen zeitlich begrenzten Test über Venture Clienting mit einem verfügbaren System im eigenen Lager auf und messt Muskelentlastung sowie Trageakzeptanz gegen ein festes Abbruchkriterium.
Wie hy zwischen Build, Partner und Invest entscheidet: Build, Partner oder Invest.
Was ihr klären solltet, bevor ihr Budget bindet
- An welchen eurer Arbeitsplätze im Lager treten genau jene Hebe- und Überkopfbelastungen auf, für die Studien von Harvard University, ETH Zurich und University of Stuttgart eine Muskelentlastung nachweisen?
- Mit welchem konkreten Abbruchkriterium für Trageakzeptanz und Nebenwirkungen testet ihr ein verfügbares System, wie es Dachser oder GV Lacke im Betrieb erproben, bevor ihr Budget für eine Ausstattung bindet?
- Wenn ihr als Technologieanbieter selbst entwickeln wollt: Welche eigene Fähigkeit in der Steuerung und Sensorik hebt euch von den 159 bestehenden Patentfamilien um Hyundai Motor und Kia ab?

30 Minuten mit dem Team Strategy & Innovation
Wir gehen das Radar mit euch durch und legen unsere Startup- und Patentdaten daneben.
Was das Radar nicht sieht
- Startups: wer jung ist, kaum patentiert und noch nicht in der Presse steht.
- Deals: Runden, Beteiligungen und Kooperationen, die nicht öffentlich gemeldet sind.
- Eure Position: was ihr schon könnt, wie weit das Feld von eurem Kerngeschäft weg ist.
Dazu bei Return on Innovation
Quellen und Methode
19 Belege
- Side-effects and adverse events of a shoulder- and back-support exoskeleton in workers: A systematic review · University Medical Center Groningen · NL · 2023-05-02
- The impact of an active and passive industrial back exoskeleton on functional performance · Vrije Universiteit Brussel · BE · 2023-07-22
- Ergonomie: Ralf Moeller im Exoskelett-Einsatz bei Dachser · logistik-heute.de · 2025-11-27
- Robotic exoskeleton suit for lifting loads · Hyundai Motor; Kia · KR · 2025-04-25
- Lifting type lower limb exoskeleton device · Hangzhou Chengtian Technology Development · CN · 2024-01-31
- Evaluation of the physiological benefits of a passive back-support exoskeleton during lifting and working in forward leaning postures · ETH Zurich · CH · 2023-02-13
- Künstliche Intelligenz: Das Exoskelett lernt mit · logistik-heute.de · 2025-06-15
- Das Exoskelett von Htrius im Einsatz bei GV Lacke · technische-logistik.net · 2025-03-26
- Apogee Ultra: Das weltweit leistungsstärkste Exoskelett in Serienproduktion · e-commerce-magazin.de · 2025-02-26
- RESSORT: Resilient Efficient Soft and Sustainable Optimized Robotics Technology · Vrije Universiteit Brussel · BE · 2026-10-01
- A portable inflatable soft wearable robot to assist the shoulder during industrial work · Harvard University · US · 2024-06-12
- Lifting type lower limb exoskeleton device · Hangzhou Chengtian Technology Development · CN · 2024-01-31
- Shoulder double degree of freedom upper limb lifting assist exoskeleton · University Hebei Technology; Yankuang Energy Group · CN · 2025-02-11
- Shoulder Dual Degrees of Freedom Upper Limb Lifting Assist Exoskeleton · University Hebei Technology; Yankuang Energy Group · CN · 2025-02-11
- German Bionic raises $16.3M for powered exoskeletons · therobotreport.com · 2023-12-13
- French Wandercraft raises €64.3 million to take robotics from hospitals to homes and factory floors · eu-startups.com · 2025-06-11
- Verve Motion raises $20M for soft exoskeletons · therobotreport.com · 2023-12-15
- Verve Motion raises $20M to grow its exosuit business · techcrunch.com · 2023-12-13
- Exoskeleton Tech Startup HeroWear Raises $5 Million in Series-A Funding to Accelerate Growth · businesswire.com · 2025-04-03
Methode: Wir zählen und lesen öffentliche Daten (Google Patents (BigQuery), OpenAlex (wissenschaftliche Publikationen), Online-Medien (Google News, GDELT), CORDIS (EU-Forschungsförderung), Finanzierungsmeldungen (Google News)) zu den Suchbegriffen des Felds. Das Briefing ist aus diesen Belegen geschrieben, jede Aussage verweist auf ihre Quelle. Es ist ein Blick von außen: ein Indikator, kein vollständiges Bild.
Was die Daten nicht zeigen: Dieser Blick von außen zeigt nicht, wie viele Geräte in Pilotprojekten wie bei Dachser oder GV Lacke tatsächlich im Einsatz sind, was die Systeme im Einkauf oder der Wartung kosten und wie hoch die Abbruchquote der Beschäftigten nach dem ersten Test im Schichtbetrieb ausfällt. Zu den 5 Deal-Meldungen liegen zudem nur geringe Trefferquoten im Kernfeld vor, weshalb nicht öffentlich gemeldete Finanzierungsrunden und interne Budgets der Logistikkonzerne unsichtbar bleiben.