
Vom Produkt zum Systemgeschäft mit Philipp Loosen: Wie Henkel’s intelligente Klebstoffe und KI-Analysen Leckagen vorhersagen und die Industrie-Effizienz steigern
In dieser Folge spricht Anne Schlösser mit Philipp Loosen von Henkel darüber, wie sich der Weltmarktführer im Bereich Klebstofftechnologien durch digitale Innovationen weiterentwickelt und wie Hochleistungsmaterialien intelligente Systemlösungen für die Industrie 4.0 werden können.
Im Gespräch geht es um Klebstoffe von Henkel Adhesive Technologies: Wie ein Materialgeschäft um ein datengetriebenes Servicemodell erfolgreich erweitert werden kann. Philipp gibt faszinierende Einblicke, wie Klebstoffe heute nicht nur Bauteile in Smartphones, E-Autos und Flugzeugen zusammenhalten, sondern durch Sensorik und IoT-Anwendungen Produktionsstillstände verhindern können. Anhand konkreter Innovationen wird deutlich, wie Nachhaltigkeit und Effizienzsteigerung Hand in Hand gehen.
Zudem beleuchtet Philipp die Rolle von KI und automatisierten Laboren in der Materialentwicklung und erklärt, warum Henkel bei der Zusammenarbeit mit Startups weniger auf reine Beteiligungen und mehr auf echte inhaltliche Partnerschaften setzt. Abschließend diskutieren Anne und Philipp über die Herausforderungen der Circular Economy und warum der Kunde als „Nordstern“ die wichtigste Zutat bleibt, um technologischen Fortschritt in messbares Unternehmenswachstum zu verwandeln.
Über den Gast
Philipp Loosen verantwortet als Vice President New Business bei Henkel Adhesive Technologies die strategische Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Innovationen jenseits des Kerngeschäfts. Mit über zwölf Jahren Erfahrung im Konzern treibt er die Verbindung von klassischer Chemie mit digitalen Lösungen voran und gestaltet aktiv das Ökosystem zwischen Konzernforschung, Venture Capital und Startups.
Transkript
Kundenmittelpunkt, das muss der Nordstern sein für all das, was wir hier auch bei Henkel Adhesive Technologies tun. Das denke ich ist es und alles andere ergibt sich dann daraus. Und diese Anforderungen der Kunden entwickeln sich eben schnell, also müssen wir auch schnell sein. Das ist der Return on Innovation Podcast mit Anne Schlösser und Heike Löffler. Hallo liebe Hörerinnen und Hörer. Bevor es hier losgeht, eine kurze Unterbrechung in eigener Sache. Ihr kennt meine Stimme vielleicht noch nicht. Ich bin Sebastian Herzog, Co-CEO von hy, der Firma hinter diesem Podcast. Und ein paar Worte zu uns. Wir haben hy vor 9 Jahren als Beratung gemeinsam mit Axel Springer aufgesetzt und erfolgreich skaliert. Aus einer Handvoll Mitarbeiter ist inzwischen eine Firma mit knapp 60 Personen geworden. Jetzt sind wir den nächsten Schritt gegangen. Als Management-Team haben wir gerade alle Unternehmensanteile von Axel Springer gekauft und als wachsende und partnergeführte Beratung sind wir in Zukunft unabhängig. Was uns dabei seit Tag 1 ausgezeichnet hat, ist unser Unternehmergen. Wir beraten als Unternehmer und wir handeln unternehmerisch. So lassen wir uns z.B. häufig an Projekterfolg messen oder gründen ganz Firmen mit echter Risikobeteiligung gemeinsam mit unseren Kunden. Mit der neuen Unabhängigkeit haben wir hier zukünftig noch mehr Möglichkeiten. Bei hy begleiten wir Mittelstand und Konzerne bei Strategie und Innovation und haben in den letzten Jahren über 250 Unternehmen beraten. Wir werden sowohl auf den bisherigen als auch auf neuen Themen wachsen und ich freue mich jetzt schon sehr auf die nächsten Jahre. Ein großes Dankeschön geht dabei an Axel Springer. Nach 9 Jahren erfolgreicher Partnerschaft hat Springer sehr positiv auf unseren Wunsch nach mehr unternehmerischer Freiheit reagiert und unterstützt uns jetzt umfassend bei unseren Schritten in die Unabhängigkeit. Wir skalieren jetzt unsere Boutique-Beratung der nächsten Generation. Also, vernetzt euch gerne mit mir auf LinkedIn oder schreibt mir auch sehr gerne direkt an sebastian.herzog@hy.co und jetzt vor allem viel Spaß mit der nächsten Folge. Herzlich willkommen zu Return on Innovation. Heute geht's bei uns um Klebstoff, aber nicht als Produkt, sondern als Plattform. Mein Gast ist Philipp Loosen, er ist VP New Business bei Henkel Adhesive Technologies und wir sprechen über Hightech-Materialien, die z.B. Leichtbau, Thermomanagement und Zirkularität ermöglichen, über Predictive Maintenance und darüber, wie aus der Verbindung von Klebstoff, Sensorik und Daten ein neues Geschäftsmodell entstanden ist. Schön, dass du dabei bist, Philipp. Ja, hallo Anne, danke für die Einladung. Freue mich. Ja, ich freue mich auch auf unser Gespräch. Philipp, Henkel kennt man vor allem von Waschmitteln und Haarpflegemittel. Du verantwortest jetzt New Business im Klebstoffbereich. Was macht ihr denn bei Adhesive Technologies eigentlich genau? Ja, genau. Also, wir sind nicht bei Persil oder bei Schauma, sondern bei Loctite. Das ist unsere Hauptmarke und die kennt man meistens gar nicht unbedingt. Wir sind der Bereich bei Henkel, der also vor allen Dingen Industrien verbindet. Natürlich, wenn man in Baumarkt geht oder in Schulbedarfsladen, findet man auch Pritt oder Pattex oder Ponal, aber wir liefern Klebstoffe und Dichtstoffe in alle großen Industrien. Und unser Job ist dabei, Bauteile langlebiger, effizienter zusammenzubringen. Oft ist das eben besser als Schrauben, Nieten oder Schweißen. Und da sind wir eigentlich an der Spitze der Wertschöpfungskette und an der Industrie und ja, es ist ein ganz spannender Bereich. Am Anfang konnte ich mir darunter auch nichts vorstellen. Ja, und unser CEO Carsten Knobel hat zuletzt in so einem Interview gesagt, ja, er hat richtig Freude am Klebstoff. Ich glaube, das liegt einerseits daran, weil sich die Zahlen gut entwickeln, aber andererseits, weil es wirklich auch ein spannendes Produkt ist, was überall drinsteckt. Freude am Kleben sozusagen. Wo begegnen uns denn eure Produkte überall im Alltag? Kannst du ein paar Beispiele nennen? Ja, also erstmal ist das natürlich Hightech-Klebewerkstoff, die Klebstoffe, die sind in ganz vielen Produkten drin und haben viele inhaltliche Funktionen auch. Also einmal natürlich das Zusammenhalten, aber dann auch das Management von Wärme, das effizientere Gestalten von Produktionsprozessen. Und das findet man überall in der Industrie, was man sich so vorstellen kann. Und ich gebe dir einfach mal ein paar Beispiele, Anne, dass du so ein Gefühl kriegst. Also erstens sind wir natürlich groß vertreten im Auto. Grundsätzlich sind wir von dem Scheibenkleber über Vibrationsklebstoffe, die die Vibrationen aufnehmen, bis hin zur Verklebung von wirklich von Bauteilen. Und spielt natürlich auch immer größere Rolle die Elektronik im Auto. Also die Sensoren für autonomes Fahren, all das muss zusammengehalten werden und das ist ein relativ großes Geschäftsfeld. Und ungefähr 20 bis 30 Kilo Klebstoff sind also in jedem Auto vorhanden, was man ja erstmal gar nicht so denkt. Wenn wir dann aber gucken in der Elektronik, jeder hat heute ein Smartphone immer dabei, auf so einem Gerät sind bis zu 50 Klebstoffanwendungen. Also die Linse, die Sensoren, das ganze Gehäuse, das Glas, all das muss ja zusammengehalten werden, aber auch die Wärme gemanagt werden, wenn man mal so ein Telefon in der Hand hat, wird das
richtig, aber da merkt man, manchmal wird richtig warm und der Job von Henkel ist eben auch, dass diese Wärme richtig gemanaged wird. Aber es geht eben weiter. Wir haben auch, gibt dir ein Beispiel, im höchsten Gebäude der Welt oder eins der höchsten, Burj Khalifa, kamen unheimlich viele Klebstoffe von Henkel von der Bautechnik davor. Selbst in der chinesischen Mauer sind Produkte von Henkel verbaut worden, da gibt es so eine ganz lustige Plakette. Aber eben auch Sportschuhe, jeder dritte Sportschuh, den es heute so gibt, wird von Henkel Kleber hergestellt und in meiner Historie selbst war ich auch mal verantwortlich für unser Medizintechnikgeschäft, mehr als 70 % aller Impfungen wird mit Spritzen gemacht, die wiederum von Henkel Klebstoffen zusammengehalten werden. Also es ist ein ganz vielfältiges Geschäft und sind in unheimlich vielen Industrien vertreten. Also macht es sehr interessant.
Anne SchlösserSuper spannend. Du hast eben über einen Dual Use Case gesprochen, also Wärme ableiten und kleben. Was habt ihr noch für Dual Use Cases oder Multi Use Cases vielleicht auch?
Philipp LoosenJa, also der ganz große Use Case ist eigentlich Leichtgewicht. Das ist so, dass man natürlich Schrauben, Schweißen, viel Metall verwendet und wir versuchen eigentlich immer unsere Kunden auch zu ermöglichen, dass Bauteile leichter werden. Das ist eigentlich ein ganz klassischer Use Case von Klebstoffen, dass man eben weniger Metall verwendet, weniger schweißt, sondern sondern das vor allem hinbekommt. Aber natürlich auch Langlebigkeit, das heißt also, häufig sind die Klebeverbindungen gar nicht das schwächste Glied in der Kette, sondern die neue Werkstoffe können verbunden werden und dann langlebiger werden und ein großer Case ist natürlich jetzt auch Sustainability, da können wir sicherlich auch noch mal drüber sprechen, aber auch das Entkleben spielt für uns eine immer größere Rolle und so dass wir also viele sogenannte Dual Use Cases haben, an denen wir mit unseren Kunden gemeinsam arbeiten.
Anne SchlösserGibt es denn auch ein Beispiel, was dich selber überrascht hat, wo geklebt wird?
Philipp LoosenAlso, was ich immer faszinierend finde, ich sag mal, ich bin jetzt 12 Jahre bei Henkel, eine richtige Überraschung erlebe ich da nicht mehr, aber ist die Faszination eigentlich für das Fliegen und das Kleben. Also ich habe gerade vor kurzem in Hamburg von einem großen Flugzeugbauer die Fabrik besichtigt, auch noch mal gesehen, wie unsere Klebstoffe wirklich dann auf fliegenden Teilen, nicht nur eben im Innenraum des eines Flugzeugs, sondern eben auch in der Struktur die Sachen zusammenhalten. Also mehrere 100.000 € Klebstoff werden pro Flugzeug gebraucht. Man denkt immer, das ist alles Nieten und Schrauben, aber das stimmt gar nicht. Wir haben unheimlich viele Klebeanwendungen auch am Flugzeug und ermöglichen da eigentlich Tag ein, Tag aus sichere Fortbewegung von Millionen von Passagieren mit unserer Technologie und das ist, finde ich, schon faszinierend. Ich glaube, das ist das richtige Wort an der Stelle.
Anne SchlösserJa, dass da viel Innovation drinsteckt bei dieser Breite an Anwendungsfeldern, ist, glaube ich, klar. Wo entsteht denn Innovation bei euch konkret?
Philipp LoosenAlso das Interessanteste ist erstmal, wenn man sich überlegt, was braucht man eigentlich für Disziplinen, um mit dem Kunden da gut zusammenzuarbeiten. Wir haben also einmal natürlich Innovation, die durch Chemiker passiert, weil neue Chemie, Klebstoff ist einfach ein Chemieprodukt, das heißt, wir brauchen gute Chemiker, die neue Chemikalien entwickeln, aber man kann sich das von zu Hause vorstellen, du stehst an der Werkbank und hast fünf verschiedene Klebstoffe, weißt aber nicht genau, an welcher Stelle, wie du das jetzt ansetzt und welche Material mit man da wie verbunden werden können. Das heißt, die Ingenieursleistung ist eigentlich mindestens genauso einzuschätzen. Und so sind wir bei Henkel eben auch sowohl mit Chemikern, aber aus meiner Sicht fast noch wichtiger mit Ingenieuren unterwegs, die gemeinsam dann mit dem Kunden überlegen, für eine nächste Generation eines Produkts, was kann man eigentlich besser machen? Und dann sind wir also in der Diskussion über die bessere Verbindung, das ist natürlich klar und über das Kleben, aber eben dann über alle anderen weiteren Effekte. Das geht in der Regel am besten gemeinsam, früh im Designprozess von neuen Zügen, Autos, Flugzeugen mit den Ingenieuren unserer Kunden zusammenzuarbeiten und zu überlegen, wie können wir eine neue Generation von Produkten wirklich noch besser machen und da kommen wir eigentlich sehr stark auch über unser Prozess-Know-how und über unsere Anwendungsbeispiel neu rein. Das ist wirklich der entscheidende Faktor, wie wir Wert generieren an der Stelle.
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